Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 98 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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88 ■ — ling S. 167). Der Anfang unseres Schreibens bezieht sich darauf, daß Mendelssohn Hamann bei ihrer ersten Begegnung Geld geliehen hatte. Ein früherer Brief Hamanns an Mendelssohn vom 11. Februar 1762 ist längst gedruckt, braucht daher nicht hier mitgeteilt zu werden. Von Mendelssohn an Hamann ist nur ein Brief, 2. März 1762, also die Antwort auf das eben erwähnte Schreiben, bekannt, Schriften 5, Seite 430—32. Königsberg, 13. September 1770. Herzlich geliebtester Freund! Ich erinnere mich noch des Agio, das Ihnen für Ihren Vorschuß schuldig bin, unterdessen der Kurs ist jetzo vor der Hand noch zu schlecht, -und ich warte auf bessere Zeiten mit der Sehnsucht eines Rabbiners und Chiliasten. Vergeben Sie es einem alten, guten Freunde, der sich ehemals um Ihre Buhlschaft bekümmert, daß er sich nach 7 oder 10 Jahren ein wenig Ihrer Vaterschaft annehmen darf. Wenn Sie Ihre Kinder liebhaben und für selbige noch die Plage der Blattern fürchten müssen, so tragen Sie keinen Augenblick Bedenken, sie dem geschickten und würdigen Manne und englischen Arzt anzuvertrauen, den ich hierdurch zugleich Ihrer sympathetischen, philosophischen und ästhetischen Denkungsart bestens und aufs nachdrücklichste empfehle. Er wird sich selbst nennen.... Gesetzt, daß Sie auch eben nicht neugierig wären, liebster Freund, sich um meine gegenwärtige Verfassung zu erkundigen, so werden Sie es teils meinem Mangel der Welt, 'teils meiner Hypochondrie zugutehalten, mich hierüber zu erklären. Es geht jetzt ins vierte Jahr, daß ich bei der hiesigen Provinzialakzise und ZollLirektion als Sekretär-Traducteur stehe, mit einem monatlichen Gehalt von 26 rthl. angefangen habe und gegenwärtig bis zu 30 gestiegen bin. Mein Schicksal ist also von solcher Bewandtnis, daß ich mehr Ursache habe, mit selbigem als mit mir zufrieden zu sein.