Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 97 (sequence 13)
- Language
- German
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97 5. I. G. Hamann. 13. September 1770. Mit „dem Magus des Nordens", dem eigenartigen Johann G. Hamann, 1730—1788, fanden merkwürdige Wechselwirkungen statt (vergl. Kayserling S. 163 ff. und die vielfach im Register erwähnten Stellen). Der Königsberger Weltweise hatte 1756 die Bekanntschaft unseres Mendelssohn gemacht. Mendelssohn versprach dem Königsberger „sokratische Denkwürdigkeiten" und erhielt von ihm ein öffentliches Sendschreiben über seine Kritik Rousseaus, tauschte mit ihm Briefe aus; 1762 freilich kündigte der Berliner dem Königsberger ziemlich offen und etwas derb die Freundschaft auf. Lange Jahre fand dann kein direkter Verkehr statt, während Hamann -sich privatim und öffentlich nicht ungünstig über einige Arbeiten Mendelssohns äußerte. In den Lavater'schen Streitigkeiten stand Hamann mehr auf Seiten des Zürichers. Trotzdem wurde er von Mendelssohn in Königsberg 1777 mehrfach besucht, sodaß ein geradezu traulicher Verkehr zwischen beiden stattfand. Später äußerte sich Hamann mitunter in seiner hämischen Weise über „Jerusalem" und gehörte auch zu denen, die in den letzten Streitigkeiten zwischen Mendelssohn und Jacobi auf Seiten des Letzteren standen und in heftigen Ausdrücken das Andenken Mendelssohns verunglimpften. Erst nach dem Tode des Berliner Weisen fand Hamann freundliche Worte zur Verklärung seines Andenkens. Von der Korrespondenz, die zwischen Leiden geführt wurde, sind zwei Briefe Hamanns und eine Antwort Mendelssohns, in den Schriften Band 6, S. 427—434 zu finden. Außer ihnen gibt es noch einen weiteren Brief, der nur in den Hamann'schen Schriften zu finden ist, ein kleines Bruchstück bei Kayserling, S. 167. Auf diesen Brief hat Mendelssohn nicht geantwortet. Zur Erklärung des hier mitgeteilten Schreibens mag nur daran erinnert werden, daß „Buhlschaft" nicht im Sinne einer geheimen oder gemeinen Verbindung, sondern einer rechtmäßige gebraucht wird. Hamann hatte sich für Mendelssohns Verlobung sehr interessiert (vergl. Kayser- 7