Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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93 Sie uns davon nicht sprechen; Milton läßt seine TeufeL in der Hölle diskutieren". Bei einem späteren Besuche Feders in Berlin gehörte Mendelssohn zu Feders Besuchern und mischte sich ein wenig in die, zwischen Feder und Engel geführte Debatten über die Gründe der sittlichen und ästhetischen Gefühle. Dann fährt Feder fort „Bald aber schlug er sich vor die Stirn und sagte mit einem Ausdruck des Schmerzes im Gesicht:, „nun ist die Nacht verloren"." Sie glauben doch Wohl nicht, mein hochgeschätzter Herr, daß es mir genug sei, Ihre Freundschaft mir erbeten zu haben, ohne auf ihre Erhaltung bedacht zir. sein. Ich denke nicht, daß Sie aus meinem langen Stillschweigen dieses schließen werden. Die Besorgnis,. Ihnen beschwerlich zu fallen und, die Wahrheit zu sagen, meine eigenen Geschäfte haben mir nicht erlaubt, nach, dem Empfang Ihrer mir so angenehmen Antwort Ihnen wieder zu schreiben. Aber Sie zu lieben und hochzuschätzen habe ich nicht aufgehöret. Noch immer sind Sie mir der liebenswürdige Philosoph, der die tiefsinnigste Spekulation in den Reiz der schönsten Grazie eingekleidet hat, und dessen Schriften ein sympathetisches Gemüt an der Vortrefflichkeit des Herzens ihres Verfassers nicht zweifeln lassen. Aber auch noch immer der Philosoph,, den ich so weit vor mir sehe, daß ich als Lehrer und Schriftsteller mich ihm zu zeigen kaum getraue. Doch ich tue es nun, und darf es im Vertrauen auf die Freundschaft, die ich von Ihnen hoffe, zuversichtlich tun. Mit Meßware des Herrn Nicolai werden Sie ein Lehrbuch über die spekulative Philosophie oder, eigentlicher zu reden, über Logik und Metaphysik von mir erhalten. Die praktische Philosophie wird die nächste Michaelismesse erscheinen. In der allgemeinen praktischen Philosophie meiner Lieblingswissenschaft, hoffe ich, mit den gewöhnlichen deutschen Schullehrern verglichen, vielleicht einige Aufmerksamkeit zu verdienen. Uber diese beiden Lehrbücher wünschte ich eine Beurteilung von Ihnen in irgend einem Journale, wo es Ihnen gefällig.