Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Briefe von, an und über Mendelssohn
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 87 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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87 Wenn die Rede ist, einen klassischen Schriftsteller herauszugeben, aber zu. Ihrem Vorhaben, dünkt mich, können sie schädlich sein. Die Herren setzen einem so viel Bedenklichkeiten in den Kopf, daß man am Ende schüchtern und ängstlich wird. Sie verwickeln unsere Gliedmaßen gleichsam mit einem eisernen Drat. (!) Und dann sollen wir einen englischen Tanz tanzen. Machen Sie es mit dem Cicero, wie ich es mit den Psalmen gemacht habe. Übersetzen Sie, wie es Ihnen recht und gut dünkt, und lassen Sie die Kritiker hinterher schreien. Wir andern, die wir auf Ihre Arbeit warten, wollen ohnehin nicht sowohl durch Sie den Römer verstehen lernen, als von Ihnen erfahren, wie er philosophiert hat; und hierzu gehört eine ganz andere Kritik, als die Gelehrten gemeinhin dafür halten. Sie haben mir nicht geschrieben, wie bald Sie von Breslau abgehen. In der Voraussetzung, daß es sobald nicht geschehen wird, habe ich die Ehre, Ihnen durch unfern gemeinschaftlichen Freund Hn. Ass. Klein ein Exemplar von meiner Schrift: Jerusalem oder über religiöse Macht und Judentum zuzusenden. Der Inhalt ist zwar hauptsächlich theologisch; indessen werden doch verschiedene andere Materien mit berührt, und unter anderem wird auch, welches Sie nicht glauben sollten, mit Ihnen ein kleiner Zank angefangen über die Giltigkeit der Kontrakte eigentlich, weil mir das, was Ferguson und Sie darüber sagen, nicht Genüge leisten will. Ich bin aber des Zankes ungeachtet mit aufrichtigster Hochachtung der Ihrige Moses Mendelssohn. Berlin, den 22. April 1783. P. P. Von denr wichtigen Geschenke, das Sie den Deutschen mit Ihrem Werke über die Pflichten gemacht, habe ich als ein besonderes Geschenk und Merkmal Ihres freundschaftlichen Andenkens ein Exemplar richtig erhalten.