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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 78

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Religion und Nationalismus
Date
1917-01-01
Page
Seite 78 (sequence 9)
Language
German
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78 fftehh ihr religiöses Empfinden verbindet sich nicht, wie in Israels mit dem nationalen Wertgefühl. Die griechischen Hauptgötter sind nicht die ideale Verkörperung des Hellenentums, seiner kulturschöpferischen Kräfte, sondern Naturwesen und damit Weltgötter. Zu Göttern Griechenlands werden sie nur dadurch, daß das religiöse Gefühl der Griechen sich ebenso, wie bei allen anderen heidnischen Völkern mit dem Egoismus des unbetonten Volksgefühls verbindet. Nur ist dieser Egoismus bei dem genialsten Volk des Altertums nicht so stark und blind, sondern gleichsam durch Intelligenz gemildert. Die homerischen Götter sind daher nicht nur die Götter Griechenlands, sondern ihre Herrschaft erstreckt sich über die ganze Welt. ' Das philosophische Interesse der Welterkenntnis, das die gesamte Wirklichkeit zu erfassen sucht, der weltoffene Blick der Hellenen verrät sich bereits in der Religion darin, daß man den Göttern eine über das eigene Volk hinausreichende Bedeutung gab, in ihnen die Begründer und Erhalter der Weltordnung verehrte. Zeus sieht und straft jedes Unrecht, das ein Mensch begeht, er schützt das Gastrecht auch in fremdem Land. Der Typus der Nationalreligion ist hier nicht mehr rein gegeben, sondern es besteht die Tendenz Zum Universalismus. Sie 'entspringt aber nicht dem nationalen Ehrgeiz, in den eigenen Göttern die Herren der Welt zu sehen, sondern ist die Folge der Klarheit griechischer Naturerkenntnis. Trotz ihres universalistischen Zuges bleibt, jedoch die Religion der Griechen national. Obwohl sie schließlich sich die antike Welt eroberte, war diese Ausbreitung nicht von der Religion selbst gefordert. Die Götter Griechenlands erheben ebenso wenig, wie die irgend eines anderen Landes den Anspruch, von der gesamten Menschheit verehrt zu werden. In diesem Sinne bleiben sie die Götter Griechenlands So stellt .die hellenische Religion nur die loseste Verbindung dar, die in der heidnischen Welt zwischen Religion und Volksgefühl sich knüpfen konnte. Sie steht in der Mitte Zwischen Volks- und Weltreligion.

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