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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 76

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Religion und Nationalismus
Date
1917-01-01
Page
Seite 76 (sequence 7)
Language
German
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76 Ne man zu den Nationalreligionen zählt. Das Bewußtsein, daß trotz aller Ähnlichkeit mit den heidnischen Religionen das Verhältnis des einen Gottes zu Israel einen völlig anderen und weit tieferen Sinn hat, kommt deutlich im Pentateuch zum Ausdruck. „Hat jemals ein Gott versucht, sich mitten aus einem anderen Volk hei aus ein Volk zu nehmen, wie es der Ewige, dein Gott, vor deinen Augen in Ägypten tat?" Diese Worte weisen zutreffend darauf hin, daß die Verbindung zwischen Gott und Israel auf völlig anderer Basis ruht, als die Beziehung der heidnischen Volksgötter zu ihren Völkern. Israel ist nicht schon durch das Leben in seiner Heimat mit seinem Gott verbunden, wie die heidnischen Völker mit ihren Göttern, sondern Gott hat sich dieses Volk aus einem anderen Volk herausgenommen, sich erwählt, und wenn Israel sich als das von Gott erwählte Volk bezeichnet, so bedeutet das, daß sein Nationalgefühl religiös begründet ist, daß es eine innere Verwandtschaft zwischen seinem eigenen Wesen und dem seines Gottes fühlt. In der Religion des Mose verbindet sich demnach nicht, wie in den heidnischen Religionen die fromme Empfindung, die religiöse Vorstellung mit dem Egoismus des schlichten, unbetonten Volksgefühls, sondern mit dem wertbetonten, selbstbewußten Nationalismus, der Empfindung der eigenen, höheren Art. So verwandelt sich das Verhältnis zwischen Gott und Israel aus einem naturhaften in ein sittliches, es bleibt nicht, wie bei den Heiden, äußerlich und zufällig, sondern wird innerlich. Gott spricht niemals zu Israel: „Ich bin Euer Gott und Ihr seid mein Volk", sondern: „Wenn Ihr in meinen Wegen wandeln und meine heiligen Gesetze treu beachten werdet, dann will ich Euer Gott und Ihr sollt mein Volk sein". Er erwählt Israel seines sittlichen Charakters wegen und hält seinen Bund mit ihm nur solange aufrecht, als es auf der Höhe seines Wesens bleibt. Sowohl Verbindung als Lösung sind hier sittlich motiviert. Es ergibt sich daraus, daß man der Eigenart der mosaischen Lehre nicht gerecht wird, wenn

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