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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 66

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 66 (sequence 26)
Language
German
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66 hat das Herz veredelt und das Zusammenleben der Menschen und die Erhaltung der menschlichen Gesellschaft gefördert. Philofophie und Religion, Attizismus und Judaismus, sind nach Luzzatto zwei unversöhnliche Gegensätze. In seinem Wesen aristokratisch, schätzte der Attizismus das Volk gering; die jüdische Lehre dagegen wurde nicht den Weisen allein, sondern dem ganzen Volke gegeben. Nach der Meinung der Philosophen erstreckt sich die Vorsehung nicht aus alle Menschen gleich, die Wissenden sind Gott am nächsten; dagegen verkünden die Lehrer d.es Judentums, daß Gott mit seiner Liebe alle gleich umfaßt. Die griechische Philosophie wollte einzelne Auserlesene zu Gott emporheben; die jüdische Religion aber will Gott zu allen Menschen hinuntertragen, daß sie ihn vor Augen haben und das Gute tun. Philosophie und Religion wandeln nach Luzzattos Ansicht verschiedene Wege, Attizismus und Judaismus widerstreiten einander. Wer griechische Weisheit in das jüdische Heiligtum hineinträgt, trägt fremdes Feuer in das Heiligtum und entweiht es. Schon der Streit zwischen den Pharisäern und Sadduzäern war ein Streit zwischen Judaismus und Attizismus. Moses Maimonides, Abraham ihn Esra, Spinoza und Mendelssohn gingen den Weg des Attizismus; im Gegensätze zu ihnen waren die Propheten, die Lehrer des Talmud, R. Salomo Jizchaki und R. Abraham b. David, der Gegner des Maimonides, die Hüter des Judaismus. Die Religionsphilosophen, die die jüdische Religion mit der Philosophie des Aristoteles in Einklang bringen wollten, haben das Judentum verkannt. Am meisten hat Maimonides gefehlt, denn er wollte das Judentum in ein philosophisches System verwandeln. Maimonides dachte mit dem Kopfe des Aristoteles, darum stellte er die 13 Glaubenssätze auf und suchte in der Erkenntnis des Übernatürlichen das Endziel der jüdischen Lehre. Sollte nur der Mensch, der das Übernatürliche erkannt hat, wie Maimonides lehrt, der Unsterblichkeit teilhaftig wer-

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