Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 65 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111106-3117192--5517-3117288- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
65 bei dem Ausbau der christlichen Theologie ein Helfer wurde, so waren die jüdischen Religionsphilosophen im Mittelalter die Wegweiser und Lehrmeister der christlichen Scholastiker. Auch für das geistige Leben des Judentums war das Zusammentreffen mit der griechisch-arabischen Philosophie ein Gewinn, denn sie verband das Judentum mit der allgemeinen Kultur und brachte ihm geistige Erfrischung und führte ihm Kulturwerte zu. Gleich den Arabern wurden auch die Juden im Mittelalter Pfleger der Philosophie und Hüter der Wissenschaft und erfüllten damit eine hohe Aufgabe in der Kulturgeschichte. 6. Der Eindruck, den Maimonides im Judentum hinterlassen hat, war so nachhaltig, daß noch am Ausgang des Mittelalters Isaak Abravanel, des Maimonides gedenkend, ausruft: „Gelobt sei der Schöpfer, der ihn erschaffen hat, sein Volk zu vervollkommnen und ihm die Wege der göttlichen Weisheit zu enthüllen". Der erste, der in der Neuzeit gegen Moses Maimonides sich zu erheben wagte und gegen sein Streben, jüdische Religion und griechische Philosophie zu verbinden, Protest einlegte, war Samuel David Luzzatto in Padua. In Luzzatto lebte etwas vom Geiste des Jehuda halewi. Keineswegs fehlte ihm das Verständnis für das Große und Erhabene im Griechentum, nur erschienen ihm Philosophie und Religion, „Attizismus und Judaismus", als zwei verschiedene Größen, die verschieden gewertet und voneinander getrennt werden müssen. In einem Briefe schreibt Luzzatto: „Der. Zweck der Philosophie ist die Wahrheit, der Zweck der Religion ist das Gute und Sittliche". Der Mensch hat Kopf und Herz, Vernunft und Gefühl. Wäre er nur Vernunft, dann fände er in der Philosophie volle Befriedigung. Aber der Mensch ist auch und zwar in überwiegendem Maße Gefühl. Darum bedarf er der Religion, der Erzieherin des Herzens und Gefühls und der Wegweiserin zum Guten. Die Philosophie hat den Menschengeist zweifeln gelehrt und die Lebensfreude der mschen in Schwermut verwandelt, die Religion aber 5