Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 24)
- Language
- German
- Belongs to
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64 — Vermutung aussprachen, Gabirol oder Avicembron, wie sie ihn nannten, sei ein Christ gewesen. In Alexandrien traf das Griechentum in der verjüngten Gestalt des Hellenismus mit dem Judentum zusammen, im Mittelalter dagegen im Gewände der griechisch-arabischen Philosophie. Was war der Ertrag, des letzten Zusammentreffens? Für die Religion, insofern sie religiöses Fühlen und Erleben ist, war die Verbindung mit der Philosophie keine Bereicherung. Der jüdische Gottesglaube wurde zwar philosophisch geklärt,, aber in seiner philosophischen Form verlor er etwas von seiner lebendigen, religiösen Kraft. Die Bibel wurde allegorisch gedeutet und philosophisch ausgelegt, aber diese Bibelauslegung war mehr eine Verdrehung als eine Erklärung der Bibel, Unter der Hand der Religionsphilosophen wurde die jüdische Religion zur Theologie; auch im Judentum entstanden Dogmen, wissenschaftlich begründete Glaubenssätze, ein Konzeption griechischen Geistes auf dem Boden der jüdischen Religion. Moses Maimonides stellte .13, Chisdai Crescas & und Josef Albo 3 Glaubenssätze des Judentums auf. Es darf als ein Sieg der lebendigen Kraft der jüdischen Religion betrachtet werden, wenn diese Glaubenssätze im Judentum nicht die gleiche Geltung erlangt haben wie die christlichen Dogmen in der Kirche. Für die Religion, insofern sie Erkenntnis des Übernatürlichen ist, war dagegen das Zusmnmentreffen mit der Philosophie von großer Bedeutung. Die Lehren der jüdischen Religion wurden philosophisch geklärt und zu einem System ausgebaut. Philosophisch geklärt, vermochte die jüdische Religion ihren Wahrheitsgehalt gegen die Zweifler zu verteidigen und ihr Daseinsrecht vor den Gebildeten zu begründen. Was die jüdischen Religionsphilosophen, die Religion und Philosophie zu verbinden suchten, unternahmen, war eine Forderung der Zeit und für die Stärkung des Judentums im Kreise der Gebildeten von Wichtigkeit. Der Einfluß der jüdischen Religionsphilosophen ging noch über das Judentum hinaus. Denn wie Philo den griechischen Kirchenvätern