Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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62 Propheten. Unter den Retigtonsphilosophen hat keiner -so tief in die Seele des Judentums hineingeblickt und seine Sendung so begeistert verherrlicht wie Jehuda halewi. Seine Gedanken über das Judentum sind auch heute noch von Wert und heute vielleicht noch mehr als zur Zeit/ in der sie Jehuda halewi ausgesprochen hat. Soll der Prophet mit dem Philosophen gehen? Jehuda halewi verneint es. Die jüdische Religion bedarf nicht der philosophischen Stützen, die Propheten können des fremden Glanzes entraten, denn ihr eigenes Licht ist unermeßlich. Dem Worte der Religionsphilosophen: „Erkenne den Gott deines Vaters,x) d. h. erkenne ihn durch philosophisches Forschen und Grübeln", setzt Jehuda halewi die Erklärung entgegen: „Erkenne den Gott deines Vaters, d. h. schließe dich dem Glauben deines Vaters und deiner Ahnen an". Die jüdische Religion ruht nicht auf dem Grunde der Philosophie, sondern auf dem der historischen Erfahrung, der Überlieferung und Treue. Wie sollten wir auch den Philosophen folgen, da sie untereinander nicht einig sind? Kaum gibt es einen Punkt, in dem sie übereinstimmen. Mit all ihrem „Grübeln und Schlüsseziehen" haben sie die Wahrheit nicht gefunden. Gott hat sich nicht dem grübelnden Verstände der Philosophen offenbart, sondern dem Herzen der Propheten ist er nahe gewesen, denn er kann gar nicht begriffen und bewiesen, sondern nur gefühlt und erlebt werden. Nicht der Weise, der philosophiert, sondern der Fromme, der reinen Herzens ist, findet bei Gott Gnade. Der Gott Abrahams ist nicht der Gott der Philosophen. Der Gott der Philosophen ist die „erste Ursache" aller Dinge und ein schattenhafter Begriff, der kraftvolle und lebendige jüdische Gottesglaube dagegen gibt seinen Bekennern Zuversicht und Seelenfrieden und schafft Glaubenshelden und Märtyrer. Mag das i) 1. Chr. 28, 9.