Mannheim
Compact Memory

Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 61

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 61 (sequence 21)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
98% known words query
IRI
…/3111067-3111106-3117192--5513-3117284
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

— 61 — Buchstaben aufgefaßt werden. Dann wird sich ergeben^ daß die heilige Schrift nichts Anderes lehre als die Philosophie: die Schlange im Paradiese ist das Symbol für die Phantasie, die den Menschen zur Sünde reizt, unddas Wetterdunkel, von dem Gott bei seiner Offenbarung verhüllt erscheint, das Symbol für - die Unmöglichkeit, Gott zu schauen. Der Wissende wird in allen Erzählungen der Bibel einen philosophischen Sinn suchen und „goldene Apfel im silbernen Netzwerk" finden. Mit seinem „Führer der Irrenden" hat Maimonides der Philosophie den Weg in das jüdische Lehrhaus und auch in das jüdische Gotteshaus geebnet. Durch ihn ist das Bildungsideal ein anderes geworden. Hieß es früher, der Fromme müsse seine Zeit dem Studium der Tora, der Mischna und des Talmud widmen, so wurde von jetzt an das Studium der Philosophie dem des Talmud gleichgestellt. Die Philosophie wurde von den Gebildeten studiert und dem Volke von den Kanzeln herab gepredigt. Dank Maimonides wurde von allen griechischen Philosophen Aristoteles der Lieblingsphilosoph der Juden. Seine Lehren erschienen dem Judentum so nahe verwandt, daß die Legende erzählte, Aristoteles sei ein Jude aus dem Stamme Benjamin und ein Schüler Simon des Gerechten gewesen, oder er habe die Wahrheit der jüdischen Religion erkannt und Zum Judentum sich bekehrt. Saadia hat der Philosophie die Tore des jüdischen Heiligtums geöffnet. Allein nach ihrem Einzug fing die Philosophie an, das Richteramt über den Wahrheitsgehalt der Religion für sich in Anspruch zu nehmen. Die Hoheit der Religion war in Gefahr, und der Verteidiger, der ihr erstand, war Jehuda halewi. Wie der arabische Philosoph Gazzali in seinem Werke „Der Ruin der Philosophen" den Islam gegen die Philosophie verteidigte und dafür den Ehrentitel „Der Schmuck der Religion" erhielt, so nahm Jehuda halewi in seinem Kusari (Chazarenkönig) den gleichen Kampf für das Judentum auf. Er war ein Philosoph mit der Seele eines Dichters, in ihm lebte etwas vom Geiste der

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.