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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 60

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 60 (sequence 20)
Language
German
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60 ' Saadia gleicht den Männern der heiligen Schrift, Die in der einen Hand die Waffe hielten, den Feind -abzuwehren, und mit der andern an der Mauer Jerusalems bauten. So kämpfte Saadia als Polemiker gegen die Zweifler und die Gegner des Judentums und legte zugleich als Baumeister den Grund zur jüdischen Religionsphilosophie. Was Saadia begonnen hat. das vollendete Moses Maimonides. Die erste Blüte und die höchste Entfaltung Der jüdischen Religionsphilosophie vollzogen sich auf dem Boden desselben Landes, auf dem Boden Ägyptens. Wie Saadia, so hält auch Maimonides Glauben und Wissen nicht für Gegner: beide, Glauben und Wissen, wollen das Gleiche, und Prophet und Philosoph sind Geistesverwandte. Gleich Saadia steht auch Maimonides -als Vermittler zwischen Religion und Philosophie, bald der Religion und bald der Philosophie sich nähernd. Behauptet Aristoteles, daß die Welt von Ewigkeit her sei, so ist diese Behauptung nicht unwiderleglich und der Glaube, daß Gott die Welt einmal erschaffen habe, einleuchtender. Bei aller Verehrung für Aristoteles wahrt sich Maimonides das Recht der Kritik, noch höher -als Aristoteles stellt er die Vernunft. Jin Glauben an die Weltschöpfung nähert sich Maimonides der Religion, in seinem Gottesgedanken dagegen der Philosophie. Sein Gott ist mehr der Gott des Aristoteles als der Abrahams: nicht ein liebevoller Vater, der richtet und verzeiht und hilft und liebt, sondern die erste Ursache alles Seins, durch Mittelwesen von den Menschen getrennt und in die Ferne entrückt. Wie sein Gottesgedanke, so ist auch seine Auffassung von den Propheten philosophisch gerichtet. Wenn von den Propheten erzählt wird, daß sie Gott gesehen und gehört haben, so ist das nicht als wirkliche Tatsache, sondern als innerer Seelenvorgang aufzufassen. In ihrer Seele und nicht in der Außenwelt haben die Propheten -Gott geschaut und seine Stimme gehört. Überhaupt müssen die Erzählungen der heiligen Schrift nach ihrem „tieferen Sinn" und nicht nach dem

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