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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 58

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 58 (sequence 18)
Language
German
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58 zu beweisen. Das unternommen zu haben, ist das Verdienst der jüdischen Religionsphilosophen. In der jüdischen Religionsphilosophie des Mittelalters traten Judentum und Griechentum, Religion und Philosophie, gewissermaßen zu einer Disputation zusammen, und das Ergebnis der Auseinandersetzung war je nach den einzelnen Religionsphilosophen verschieden. Aus der reichen Fülle der Gedankensysteme und philosophischen Variationen, die das Zusammentreffen des jüdischen und griechischen Geistes im Mittelalter hervorbrachte, sollen drei Hauptrichtungen hervorgehoben werden. Es gab Religionsphilosophen wie Saadia und Maimonides. die Religion und Philosophie für gleichwertig hielten und darum auf ihre Verbindung und Versöhnung hinarbeiteten; es gab aber auch Religionsphilosophen wie Jehuda halewi, die die Philosophie aus dem jüdischen Heiligtum wiesen und die Hoheit der auf sich selber gestellten Religion verteidigten. Unter den jüdischen Religionsphilosophen war auch einer (Salomo Gabirol), der aus seinem Gedankensystem die Religion ausschaltete und der Philosophie allein huldigte. In Ägypten, dem Heimatlande Philos, wurde Saadia geboren, der gleich Philo die jüdische Offenbarung mit der griechischen Philosophie ausgleichen wollte und der Begründer oder richtiger der Erneuerer der jüdischen Religionsphilosophie wurde. Glauben und Wissen führen zu demselben Ziele; das ist der Gedanke, von dem Saadia in seinem Hauptwerke „Emunot w’deot“ ausgeht. Wo Glauben und Wissen einander widerstreiten, dort übernimmt Saadia das Amt des Schiedsrichters. So verkündet der Glüube, daß die Welt einmal aus Nichts erschaffen worden ist; die Philosophie dagegen lehrt, daß die Welt von Ewigkeit her bestehe und nie erschaffen worden sei. Saadia stellt sich aus die Seite des Glaubens und entscheidet sich für die Weltschöpsung aus Nichts- Wo die heilige Schrift, in der die Offenbarung niedergelegt ist, der Vernunft und der Philosophie

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