Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 56 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWWWNWDWDWffWMWWWDMZWDWWWWWW? — 56 — kehrte in die Kirche griechischer Geist ein. Zu dem jüdischen Element im Christentum gesellte sich das griechische, und fortan rangen beide um Versöhnung. Das Jüdische im Christentum war der Glaube an den einen Gott und der Messiasgedanke, unter dem Einflüsse des Hellenismus dagegen entstand im Christentum der Glaube an die Gottheit Jesu und seine Geburt von einer Jungfrau. Neben Gott, den Vater, trat der von der Jungfrau geborene Gottessohn; mit den Lehren und Erzählungen der jüdischen Bibel verbanden sich griechische Mythen und Vorstellungen, und beide wurden der Glaubensinhalt der christlichen Gemeinde. Die zum Christentum bekehrten Heiden verehrten als Christen die jüdische Bibel, ja aus Verehrung für die Bibel wurden manche von ihnen erst Christen. Als Männer mit griechischer Bildung aber bewahrten sie aus der Vergangenheit auch ihre Verehrung für die griechische Philosophie. Fortan genossen beide, Bibel und Philosophie, die gleiche Wertschätzung in der Kirche. Der Kirchenvater Justin Martyr erzählt, wie ihn, den Wahrheitssuchenden, ein Greis zur Lehre der Propheten bekehrte. „Sogleich loderte es wie Feuer in meinem Inneren auf, ich wurde erfüllt von Liebe zu den /Propheten und Männern, die Freunde Christi sind."*) Und derselbe Kirchenvater schreibt in seiner Apologie: „Unter allen Philosophen ist Sokrates der beste gewesen . . . , er selbst hat Christus zum Teil erkannt." Die Propheten und die Philosophen wurden von den griechischen Kirchenvätern in gleichem Maße verehrt, beide galten ihnen als die Christen vor Christus. Das Christentum nahm vom Judentum die Bibel und vom Hellenismus die Philosophie: die Bibel galt in der Kirche als die höchste Philosophie und die Philosophie wieder als göttliche Offenbarung gleich der Bibel. Was Philo im Judentum versucht hat, unternahmen in der Kirche die griechischen Kirchenväter: die jüdische Bibel mit der griechischen Philosophie in Einklang zu bringen. Die Bibel wurde allegorisch umgedeutet, der Dial. c. Tr. 8.