Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 54 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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54 glaube es nicht; sagt dir aber jemand, es gebe bei ihnen Chochma, glaube es. *) Allein ein tieferes Verständnis für das Große und Erhabene im Hellenismus, die Kenntnis der griechischen Philosophie, Dichtung und Kultur fehlte den Weisen in Palästina. Wenn in neuerer Zeit behauptet wurde, daß der Einfluß der griechischen Gedanken auf das palästinensische Judentum fast so stark gewesen sei, wie auf das alexandrinische, so beruht diese Behauptung auf einer Verkennung der Tatsachen. Es genügt. Philo aus Alexandrien und einen palästinensischen Rabbi nebeneinanderzustellen, um einzusehen, wie gering der Einfluß des Hellenismus auf das Judentum in Palästina gewesen ist. .Philo ist ein Meister der griechischen Sprache, er zitiert Homer und Euripides und kennt Plato; kein palästinensischer Rabbi hat in gleichem Matze die' griechische Sprache wie Philo beherrscht, keiner je die Schrift eines Plato oder eines anderen griechischen Philosophen gelesen. Philos Gottesgedanke ist philosophisch geklärt, sein Logos ein griechisches Gedankengebilde und seine Ethik von den Stoikern beeinflußt; der Gottesglaube der Rabbinen ist schlicht und von philosophischen Zweifeln und Spekulationen unberührt geblieben, ihreEthik ist eine Fortsetzung prophetischer Gedanken und Forderungen. Philo seiertedasDankfestmit, das alljährlich zur Erinnerung, an die griechische Bibelübersetzung veranstaltet wurde; den palästinensischen Rabbinen dagegen galt der Tag, an dem die Tora ins Griechische übertragen wurde, als ein Trauertag gleich jenem, an dem das goldene Kalb errichtet wurde. Philo wollte den Griechen jüdische Frömmigkeit und den Juden griechische Weisheit vermitteln; die palästinensischen Rabbinen dagegen wollten nur die Lehrer ihres Volkes sein und weihten ihr Leben dem Ausbau, der jüdischen Lehre, um sie und durch sie das jüdische Volk zu erhalten. Philo stellte das universalistische,, menschheitsumfassende Element des Judentums in den Vordergrund, die Rabbinen dagegen mehr das partiku-- laristische, von den Heiden sich abschließende Element.!) Echa r. zu 2, 9.