Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
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53 Zahl der Beispiele könnte vermehrt werden. Diese philosophischen Gedankensplitter haben die jüdischen Weisen in Palästina nicht etwa aus den Schriften der -griechischen Philosophen geschöpft, sondern eher im Umgang mit gebildeten Griechen und hellenistischen Juden erfahren -oder aus dem Munde stoischer Wanderprediger gehört, die in den hellenistischen Städten Palästinas ihre Popularphilosophie auf den Straßen predigten. Die philosophischen Gedanken in der Agada sind wie einzelne Blätter, die vom Winde auf mannigfachen Wegen nach Palästina verweht wurden. Trotz aller Entlehnungen aus der griechischen Sprache und Philosophie kann nur von einem geringen Einfluß des Hellenismus in Palästina gesprochen werden, in das Herz des jüdischen Volkes ist der Hellenismus nicht gedrungen. Die griechische Sprache wurde nur von den gebildeten Juden gesprochen, und selbst diesen fehlte, wie Josephus berichtet, die feinere Aussprache; die Sprache des Volkes ist das Griechische nie geworden. Paulus sprach zum Volke hebräisch, und Titus mußte die Belagerten in Jerusalem in aramäischer Sprache zur Übergabe der Stadt auffordern. Der Hellenismus, der nach Palästina kam, war nicht die Kultur der griechischen Philosophen und Dichter, sondern Halbkultur; seine Träger waren in Palästina hauptsächlich Faustkämpfer und Schauspieler, Söldner und Beamte, Ansiedler und Kaufleute. Diese brachten nach Palästina zwar den griechischen Judenhaß, -aber nicht viel von dem Geiste Platos, der in Alexandrien die Geister bezauberte. Der Hellenismus, der nach Palästina kam, war kraftlos und verwässert,, ihm fehlte die erobernde Kraft und der überwältigende Zauber wie in Alexandrien. Die Frommen sahen in ihm nur eine Einladung zur „epikuräischen" Weltlust und zur Teilnahme an den Festspielen und Faustkämpfen und zum Abfall von bcm väterlichen Glauben, der ihnen heilig war und ungleich erhabener erschien als das Fremde, Wohl mochten -einzelne unter den jüdischen Weisen ahnen, daß der Hellenismus eine eigenartige und reiche Kultur ist: Sagt dir jemand, heißt es in einem Worte, es gebe Tora bei den Heiden,