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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 52

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 52 (sequence 12)
Language
German
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52 des Lehrhauses "trugen griechische Namen. Die griechische Sprache wurde gepriesen als „eine Sprache, die keinen Fehler hat."x) Ein Forscher unserer Zeit hat in mehreren Büchern der Bibel Spuren griechischen Geistes nachzuweisen versucht, allein sein Versuch hat sich als verfehlt erwiesen. Griechischen Einfluß verrät nur das Buch Kohelet, eines der jüngsten Bücher in der Bibel. Sonst ist die Bibel ganz und gar eine Schöpfung jüdischen Geistes. Dagegen hat die Agada nicht nur griechische Sagen, sondern auchGedanken aus der griechischenPhilosophie ausgenommen. An einer stelle der Agada heißt es: „Solange das Kind im Mutterleibe ist, lehrt man es die ganze Lehre; wenn es jedoch zur Welt kommt, schlägt es der Engel auf den Mund und macht es alles Gelernte vergessen."^) Daß der hier ausgesprochene Gedanke auf Plato zurückgeht, hat schon Moses Mendelssohn erkannt?) Den Kaiser Hadrian, der Gott sehen wollte, forderte Josua b. Chananja auf, im Hochsommer zur Sonne auszublicken. Als der Kaiser es nicht tun konnte, sprach Josua: die Sonne, die einer von den vielen Dienern Gottes ist, kannst du nicht ansehen, um wie viel weniger kannst du Gott setzen^). Der Mensch, der in die Sonne nicht zu sehen vermag, kann noch weniger Gott selbst sehen; dieser Gedanke stammt aus der griechischen Philosophie^). Die Stoiker lehrten, Gott durchdringe die Welt in ähnlicher Weise wie die Seele den Körper. Den Vergleich Gottes mit der Seele übernahm von den Stoikern Philo und — vielleicht durch seine Vermittlung — auch die Agada: Wie Gott die Welt erfüllt, so erfüllt die Seele den Körper; wie Gott sieht, selber aber unsichtbar ist, so auch die Seele; wie Gott der Welt Leben spendet, so belebt die Seele den Körper; wie Gott rein ist, so ist es auch die Seele" °). Die ») NsZ. Sb. 2) Nidda 30b. 3) Gres. Sehr. I110. 4) Chullin 59 b. 5j Xenoph. Memorab. IV 8,14. 6) Philo, de opif. mundi 23. Beraoh. 10 a.

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