Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 44 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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44 Alexandriens begegneten sich jüdische Frömmigkeit und «griechische Weisheit. . In der neuen 'Heimat blieben die Juden ihrem Väterglauben und ihrem Mutterlande treu. Sie hatten zwar in Leontopolis einen eigenen Tempel mit Opseraltar, und Hohepriester und hatten auch eigene Synagogen und Bethäuser, die Synagoge in Alexandrien war wegen ihrer künstlerischen Bauart und prunkvollen Ausstattung berühmt*). Trotzdem lösten die Juden in Alexandrien nicht den Zusammenhang mit dem Mutterlande. Tausende wallfahrteten zu den Festen nach Jerusalem, die Reichen spendeten kostbare Geschenke für den Tempel, und alle, Reich und Arm, sandten nach der heiligen Stadt Jahr für Jahr einen halben Schekel (ein Didrachmon) als Tempelabgabe. Die Juden in Alexandrien liebten ihren jüdischen Glauben, ihreBibelundihrheiligesLand,zugleich aberfühlten sie sich zu der griechischen Kultur hingezogen, von der sie umgeben waren. Durch Alexander den Großen wurde 'Griechisch eine Weltsprache und das Griechentum in.der verjüngten Gestalt des Hellenismus eine Weltkultur. Der Hellenismus nahm in sich die Gedanken und Kulte der orientalischen Völker auf und mühte . sich um die Verschmelzung der Völker und Verbrüderung der Menschen. Die Juden wurden vor die Wahl gestellt, entweder gleich anderen Völkern aus dem Orient im Verschmelzungsprozeß des Hellenismus aufzugehen oder in Religion und Kultur sich abzuschließen und Juden und nur Juden zu bleiben. Es galt einen seelischen Konflikt auszukämpfen und ein Problem zu lösen, das später in der jüdischen Geschichte jedesmal wiederkehrte, wenn die Juden in das Kulturleben ihres Heimatlandes eintraten und seine Sprache, Sitte und Bildung annahmen und zugleich dem Glauben der Väter Treue bewahren wollten. . Das Ringen dex alexandrinischen Juden um die Lösung dieses Problems ist von besonderem Reiz, und was sich aus dem Zusammentreffen des Judentums und Griechentums ergab, gewann zum Teil welthistorische Bedeutung. i) Stikka 51b. '