Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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jüdischen Propheten, umfaßt die sittliche Vollendungdes ganzen Menschengeschlechts. Das Ringen und Grübeln der griechischen Philosophen klingt in Zweifel und Pessimismus aus: „Von den Göttern kann man nicht wissen, ob sie sind oder nicht sind." Der Gottesglaube der Propheten dagegen erhebt sich zu einem weltsrohen Glauben an den Sieg des Guten in der Menschheit. Judentum und Griechentum gingen in der Welt nicht nebeneinander her, sondern trafen zusammen, bald um sich zu verbinden und bald um einander abzustoßen. Das Zusammentreffen dieser beiden schöpferischenKulturelemente ist eines der reizvollsten Kapitel nicht nur in der jüdischen Geschichte, sondern auch der allgemeinen Kulturgeschichte. 2. Am „Knotenpunkte der Welt," an der günstigsten Stelle des AgyPterlandes, dort wo drei Weltteile einander näherrückten, gründete Alexander der Große die Stadt Alexandrien und siedelte in ihr -jüdische Kolonisten an. Bald wurde Alexandrien, wie Mommsen sagt, fast ebenso eine Stadt der Juden wie der Griechen. Zur Zeit Philos gab es in Ägypten in einer Gesamtbevölkerung von 7—8 Millionen eine Million Juden,, von denen der fünfte Teil in Alexandrien wohnte. Als treue Untertanen genossen sie die Gunst der Herrscher und erfreuten sich religiöser Duldung. Ob sie das Bürgerrecht hatten, ist trotz der Behauptung des Josephus strittig. In einem Papyrus, der die Bittschrift eines alexandrinischen Juden an den Präfekten enthält, wird zwischen dem alexandrinischen Bürger und dem Juden, der zu den Bewohnern, aber nicht zu den Bürgern der Stadt gehört, scharf geschieden. Die Juden wohnten räumlich von der anderen Bevölkerung getrennt. Zur Zeit Philos füllten sie von fünf Stadtteilen Alexandriens zwei, die darum die jüdischen genannt wurdm. Nächst Rom war Alexandrien die zweite Stadt für den Welthandel und nach Athen die zweite Pflegestätte für Künste und Wissenschaften. In dieser Weltstadt trafen Juden und Griechen zusammen, in den Philosophenschulen.