Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Judentum und Griechentum
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 42 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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. - 42 — Auch die griechischen Philosophen haben Gott gesucht und gefunden, allein ihr Gott blieb ein abstrakter Begriffe die erste Ursache aller Dinge, ohne Liebe und ohne Erbarmen und dem Menschen fern. Aristoteles lehrt, daß. es zwar eine Liebe der Menschen zur Gottheit, nicht aber umgekehrt eine Liebe der Gottheit zu den Menschen gebe. *) Die Gotteserkenntnis der Propheten dagegen beruht auf dem Erleben des Herzens; der Gott, den sie in ihrem Herzen erlebt und getragen haben, ist kein abstrakter Begriff, sondern den* Menschen ein liebender Vater, ein gerechter Richter und ein barmherziger Helfer in der Not. Der griechische Philosoph denkt über das Gute und Sittliche nach.- Ihm verdanken wir die Begriffe: Pflicht, Tugend, Glück, höchstes Gut. Die Theorie des Sittlichen ist seine Schöpfung, er ist der beste Theoretiker des Sittlichen. Für den jüdischen Propheten dagegen ist das ' Gute nicht eine Frage des Wissens, sondern des Gewissens; er definiert nicht erst, was gut und sittlich ist, sondern er fordert es, fordert es im Namen eines heiligen Gottes mit einer Leidenschaft, die aus dem Herzen kommt und in das Herz dringt. Was die griechischen Philosophen über das Sittliche Vorbringen, spricht zumVerstande, dieReden der Propheten aber ergreifen das Herz und entflammen Begeisterung. Den Schriften Platos, schreibt Emerson, fehlt jene lebenskräftige Gewalt, die sich in den Ausrufen der jüdischen Propheten findet. Das Ideal der Philosophen ist der Weise, der sein * Leben zu einem harmonisch ausgeglichenen Kunstwerk, gestaltet, reich an Glück, Freude und Schönheit Das Ideal der Propheten ist der Fromme, der „Recht tut, -Liebe übt und demütig vor Gott wandelt" und dessen Leben ein Gottesdienst ist, weil es im Dienst des Guten und Sittlichen steht Das Zukunftsideal der griechischen Philosophen reicht nicht über das griechische Volk und den griechischen Staat hinaus; die Stoiker sind die ersten und einzigen, die von einer Menschheit sprechen. Das Zukunftsideal der *) Zeller, Gesch. d. gr. Philosophie 3 II. 29, 791.