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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 41

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Judentum und Griechentum
Date
1917-01-01
Page
Seite 41 (sequence 1)
Language
German
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Judentum und Griechentum. Von Rabbiner Dr. I. Bergmann in Berlin. 1. „Die Juden sind vereint mit den . Griechen der Ausgangspunkt und die erste treibende Macht der neueren Kultur gewesen." So schreibt dek englische Philosoph John Stuart Will. Von Jerusalem ging das Wort Gottes aus, aus Athen kam die Kunst, die Philosophie und die Wissenschaft. Der Jdealtypus des Judentums tst der Prophet und der des Griechentums der Philosoph. In diesen beiden'Jdealtypen offenbart sich die Übereinstimmung, aber auch die Verschiedenheit zwischen Judentum und Griechentum. Beiden gemeinsam war der Idealismus, der über diese Welt mit ihren Gütern hinausstrebte, das Suchen nach Gott und dem Guten und das Ringen mit den Rätseln des Lebens. Allein noch größer als das Gemeinsame war das Trennende. Der Anfang der Philosophie ist, wie Aristoteles meint, das Staunen. Der Prophet dagegen würde mit dem Bibelworte sagen: Der Anfang der Weisheit ist die Gottesfurcht. Der griechische Philosoph betrachtet staunend die Erscheinungen der Natur und die Rätsel der Welt und fragt bei allen Geschehnissen nach den Ursachen, er schafft die Denkgesetze und wird zum Schöpfer der Wissenschaft. Der Prophet dagegen trägt Gott in sich als die unerschütterlichste Gewißheit des Herzens. Die Welt ist ihm Gottes Werk, die Weltgeschichte Gottes Tun, die Natur mit allen ihren Erscheinungen nur ein einziger Strahl von Gottes -wunderbarer Herrlichkeit. Dem Propheten gilt Gott als der Quell alles Geschehens, die Lösung aller Rätsel und die. Antwort auf alle Fragen. Der Prophet wird der Künder des Glaubens. Der Gegensatz zwischen Glauben und Wissen, von dem vielfach gesprochen wird, ist im Grunde der Gegensatz zwischen Judentum und Griechentum, dem Propheten und dem Philosophen.

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