Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 28 (sequence 12)
- Language
- German
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28 reichlich auszugestalten und seiner Vollendung entgegenzuführen. Dies ist auch geschehen. Ein bleibendes Anfdjevt' hat sich die großangelegte „Geschichte der Juden" von H. Graetz gesichert, die in verschiedene Sprachen — ins Englische, Französische, Russische und Hebräische — übersetzt wurde. Das Verdienst dieses Geschichtswerks und auch ihres Verfassers, der in den verschiedenen Zweigen der Wissenschaft des Judentums fruchtbar gewirkt hat, wird man im Laufe dieses Jahres anläßlich seines hundertsten Geburtstages (31. Oktober 1917) zu würdigen Gelegenheit haben. Außer diesen beiden großzügigen geschichtlichen Darstellungen von Jost und Graetz, die die Geschichte der Juden bis auf die Gegenwart behandeln (von kleinern geschichtlichen Werken soll hier ganz abgesehen werden), ist die Geschichte Israels bis zuni Untergang des zweiten jüdischen Staates von christlichen und jüdischen Gelehrten verschiedenartig und von verschiedenen Gesichtspunkten ausgehend geschrieben worden. Auf diesem Gebiete haben sich naturgemäß christliche Forscher, zumeist protestantische Theologen, besonders hervorgetan: Ewald, Stade, Renan, Holtzmann, Wellhausen usw. Von Juden ist noch Herzfeld zu erwähnen, der leider vergessen zu sein scheint. In neuerer Zeit ist unter christlichen Theologen die Geschichte Israels im neutestamentlichen Zeitalter ein beliebtes und mit vielem Geschick bearbeitetes Thema geworden. Hausraths „Neutestamentliche Zeitgeschichte", in der ein reichhaltiges Material in künstlerisch schöner Darstellung verarbeitet wurde, büßt durch Subjektivität und Gehässigkeit viel an Wert ein. Ihr Schicksal, von Emil Schürers „Geschichte des jüdischen Volkes im Zeitalter Jesu Christi" verdrängt worden zu sein, war kein unverdientes. In neuerer Zeit ist ein solches Werk auch von katholischer Seite geschrieben worden („Neutestamentliche Zeitgeschichte" von Joseph Felten), das sich durch eine liebevolle Behandlung des Stoffes auszeichnet. In gewissem Sinne kann man auch Boussets Arbeit („Die Religion des Judentums im neutestamentlichcn Zeitalter"), die trotz mancher Unfreundlichkeit