Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Literarische Jahresrevue
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 22 (sequence 6)
- Language
- German
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22 — Jahre nicht leer ausgegangen. Ich darf vielleicht bei dieser Gelegenheit die Hoffnung aussprechen, daß die Ereignisse unserer Zeit viel dazu beitragen werden, diese Wissenschaft, in der bisher fest eingewurzelte Vorurteile gefährliche Klippen bildeten, auf eine andere Grundlage zu stellen. Es hat sich, namentlich in Deutschland, auf diesem Gebiete soviel Selbstgerechtigkeit und Selbstgefälligkeit, soviel ganz und gar unbegründeter Hochmut gezeigt, daß man oft die Frage stellen konnte: Ist dies überhaupt Wissenschaft? Das traurigste an diesen Ereignissen wäre, wenn man aus ihnen gar nichts gelernt haben sollte. Darüber ausführlich zu schreiben, wird sich nach Friedensschluß Gelegenheit bieten. Von E. Königs „Geschichte der alttestamenilichen Religion", die sich durch Objektivität und Wahrhaftigkeit auszeichnet, liegt die zweite Auflage vor. Erwähnenswert sind noch: „Eorberedelsen t'or Kristus i Israels religions historie" von S- Michel et und „Israel en de Baals" von I. Ridderbos- „Die Idee der Heidenbekehrung im Alten Testament" betitelt sich eine populär gehaltene Schrift von P. Heinisch. Der Verfasser behandelt dieses Thema von seinem christlich-katholischen Standpunkt aus, aber er wird den Propheten Israels und dem ganzen biblischen Schrifttum gerecht, indem er den universalistischen Zug heivorhebt, der durch das ganze Judentum geht und der sich in den humanen Beziehungen der Juden zu den Heiden zu jeder Zeit segensreich bewährt hat. Dem Streit der Lehrmeinungen zwischen Pharisäern und Sadduzäern, der zum größten Teil auf einen politischen Antagonismus zurückzuführen ist, ist die Studie „Le sette. del giudaismo" von D. Clericogewidmet. Daß aber der Verfasser Pharisäer, Sadduzäer und Essäer als „Sekten" bezeichnet, ist irreführend. Über das Essäertum, diese „Virtuosität der Tugend", wie Philo sich treffend ausdrückt, handelt auch M. Mosbech in seinem „Essaeismen". Elbogens gründliche Arbeit „Der jüdische Gottesdienst in seiner geschichtlichen Entwicklung", die allgemein die verdiente Anerkennung gefunden hat, hat P. Fiebig zu seiner kurzen Darstellung: