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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1917-01-01 · 20 (1917) · p. Seite 10

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
20 (1917)
Article
Rückblick auf das Jahr 5676
Date
1917-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
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10 Zeit verjagt, starben sie zu Tausenden; Kinder unter vier Jahren gibt es kaum noch, ebenso wie die meisten älteren Leute den Strapazen des Wanderlebens, dem Hunger und den Seuchen erlegen sind." Die russischen Glaubensgenossen im Innern des Reiches, zumal die Wohlhabenden unter ihnen, taten das Menschenmögliche, um ihren Brüdern zu Helsen und sie vom Untergang zu retten. Die anfangs von der Regierung den Flüchtlingen gewährte Niederlassungsfreiheit, die zu dauernder Erweiterung des Ansiedlungsrayons führen zu sollen schien, wurde allmählich mehr und mehr eingeschränkt; an immer weiteren Orten wurde den Juden das Wohnrecht genommen, selbst da, wo es schon gewährt war, wurde es wieder aufgehoben. Man vermutet, daß das der Reichsduma vorzulegende Gesetz nur ganz geringe Abweichungen von den alten Bestimmungen enthalten , wird. Besonders aus den Hauptstädten und aus wichtigen Handelszentren wurden die Juden entfernt, der Zutritt zu den Börsen,, die Beteiligung an Jndustriegesellschasten trotz des Widerspruchs der beteiligten Kreise verweigert. Auch die anfangs erleichterte Zulassung zu den höheren Schulen und den Universitäten ist wieder erschwert; schon jetzt werden vielfach Kinder ausgenommen und dann, weil ihre Eltern an dem Orte kein Wohnrecht haben, wieder von dem Anstalten entfernt, aber für das nächste Frühjahr ist bereits ein geringerer Prozentsatz von jüdischen Schülern in Aussicht genommen. Der fortschrittliche Block der Reichsduma hatte wohl einen Gesetzesentwurf über die Gleichberechtigung der Juden vorgelegt, sah sich aber durch den Widerstand der Regierung und der Rechten genötigt, ihn wieder zurückzuziehen. Der Abgeordnete Miljukow, der sich gern als Vertreter des Fortschritts im Auslande vernehmen läßt, erklärte jüngst in Christiania, „die Regierung treibe eine zielbewußte antisemitische Propaganda, sogar in der Armee, um alle Schuld für Unglück und Niederlage auf die Juden zu wälzen". Und die „Rjetsch" drückt es so aus, „daß die Juden in Rußland andauernd den Schakalen preisgegeben sind, von

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