Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5676
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 11 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3111067-3111106-3117190--5461-3117234- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
11 denen sie an der Front und hinter derselben verfolgt werden". Von Zeit zu Zeit, wenn die russischen Finanzen es erforderlich machen, an die Pforten der Geldmächte im Auslande zu pochen, verlautet Wohl etwas von Erleichterungen für die Juden; jüngst soll kein Geringerer als der Präsident der französischen Republik einen einflußreichen russischen Staatsmann darauf aufmerksam gemacht haben, von welcher Bedeutung' für Rußlands gegenwärtige Politik eine Verbesserung der Lage der Juden sein könnte. Es gibt auch noch immer naive Glaubensgenossen in Paris und in London, die in jeder Versprechung eines russischen Finanzministers eine günstige Aussicht für die Zukunft erblicken, aber diese billigen Verheißungen erweisen sich regelmäßig schon nach kurzer Zeit als nichtig. So wird aus Kopenhagen gemeldet, daß, nachdem sich herausgestellt hat, daß zur Zeit eine ^russische Anleihe in Amerika wenig Aussicht auf Verwirklichung hat, alle Ratschläge russischer Parlamentarier, die Judengesetzgebung milder zu gestalten, zurückgewiesen worden sind, unter der Begründung, „daß der Krieg erst recht die Staatsgefährlichkeit der Juden für Rußland erwiesen habe". Glaubt das russische Beamtentum noch immer, daß es durch solche Manöver die Aufmerksamkeit von seiner eigenen Staatsgefährlichkeit abziehen kann? Als Rußlands würdiger Jünger bewährt sich sein neuer Kampfgenosse, Rumänien. Auch dort müssen die Juden in den Krieg ziehen für ein Vaterland, das sie als Fremde erklärt, ihnen die elementarsten Bürgerrechte verweigert, aber die Blutsteuer uneingeschränkt von ihnen fordert. Auch im Lande der Bojaren wird eine Lösung der Judenfrage durch maffenhafte Hinschlachtung der Juden versucht. Von verschiedenen Seiten wird versichert, daß bei Beginn des Krieges eine Verfügung erging, die Juden schonungslos in die erste Feuerlinie zu stellen. Ist es das schlechte Gewissen der rumänischen Regierung, das sie zu solchem Mißtrauen gegen die Juden veranlaßt? Der Krieg begann damit, daß man