Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5676
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
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8 Auch der Vertreter des dänisch-jüdischen Hilfskomitees ffür die notleidenden Juden, der vor kurzem Russisch- Polen besuchte, legt in seinem Bericht Zeugnis ab von der freudigen Überraschung eines Neutralen, der anstatt rauchender Trümmerhaufen, verwüsteter Städte und menschlichen Jammers in den besetzten Landesteilen Ordnung, Wohlfahrt, neu erwachtes Wirtschaftsleben und Zufriedenheit vorfand. Er ist im besondern des Lobes voll über die zahlreichen wohltätigen Einrichtungen, Heime, Hospitäler, Speiseanstalten zu Gunsten der Juden. Er hat die von dem Generalgouverneur getroffenen wirtschaftlichen Einrichtungen in der Lebensmittelversorgung, die Tätigkeit der Hilfskomitees, die - Maßnahmen der Zivilverwaltung geprüft und schildert in Worten größter Anerkennung das Ergebnis. Alle diese Fortschritte bedeuten noch nicht eine Lösung des Ostjuden-Problems. noch lastet der ökonomische Druck schwer auf der Bevölkerung, noch ist die soziale Kluft zwischen Juden auf der einen, Polen und Litauern auf der andern Seite nicht überbrückt. Dennoch dürfen wir dieser Anfänge uns freuen, da sie den Weg für die Zukunft sicher weisen. Sie sind umso bedeutsamer, wenn man an das Wort des deutschen Reichskanzlers denkt, daß. die Rußland entrissenen Gebiete nicht wieder an das Zarenreich zurückgegeben werden sollen. Wie auch immer ihre staatsrechtliche Zukunft sich gestalten mag, es ist von höchster Wichtigkeit, daß schon jetzt für eine möglichst umfassende und gesicherte Gleichberechtigung auf allen Gebieten gesorgt wird, die den, künftigen Gemeinwesen mit auf den Weg gegeben wird. Erst wenn die politischen und sozialen Grundlagen, für das Leben der Ostjuden gesichert sein werden, wird man an den schwierigsten Teil des Problems, den religiösen, mit dem die Erziehungsfrage eng zusammenhängt, herantreten können. Während dieser Teil der Judenfrage meist übersehen wird, hat die Generalversammlung des Rabbinerverbandes in Deutschland es mit Recht für ihre Pflicht gehalten, gerade ihn zu erörtern. In einem