Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 20 (1917)
- Article
- Rückblick auf das Jahr 5676
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 7 (sequence 7)
- Language
- German
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7 heilen ihrer Muttersprache bedienen. „Der Geist Europas trat in Gegensatz zur asiatischen Tyrannei." Er zeigte sich in einer Verbesserung der Beziehungen zwischen den Polen und Juden, es wurde der Burgfriede proklamiert, durch den die Hetzereien der russischen Lakaien unmöglich wurden. Das Bürgerkomitee begann, sich ein wenig mehr für die Juden zu interessieren. Die Gleichberechtigung der Juden wurde praktisch durchgeführt. Juden , wurden von den Besatzungsbehörden als Beamte beschäftigt, andere erhielten bürgerliche Ämter in den von den. polnischen Komitees geleiteten Instituten. Die jüdischen Sportvereine wurden von den Russen als Vor- . Bereitung einer „Revolution" unterdrückt, heute sind Scouts- und Turnvereine geschaffen, die Hunderte von Mitgliedern zählen. Das Kommando auf hebräisch oder jiddisch und der Geist, der dort herrscht, stempelt diese Bewegung als jüdisch-nationale. Auch aus kulturellem Gebiete wurde von vornherein vollkommene Gleichberechtigung der Juden proklamiert, die Notwendigkeit betont, den Religionsunterricht so zu ordnen, daß er die gläubige Bevölkerung befriedige. Für den Unterricht wurde anfangs die deutsche Sprache vorgeschrieben, jedoch nach späteren Erläuterungen und in der Praxis unterrichtete man in Jiddisch. Es besteht die Hoffnung, daß die Verwaltung des Generalgouvernements den ihr in dieser Beziehung ausgedrückten Wünschen noch weiter entgegenkommt. Große Mühe entwickelten die Okkupationsbehörden, um eine genügende Anzahl von Lehrern heranzubilden. Die besten Pädagogen wurden mit der Ausbildung betraut, der Erfolg dieser Arbeit war, daß tausend gut vorbereitete Lehrer den Unterricht in den Schulen ausnehmen konnten, um unter der Masse jüdische und allgemeine Bildung nach, moderner Methode zu verbreiten. Der letzte große Akt für , Polen ist die Selbstverwaltung, die Warschau auf Grund von Wahlen erhalten hat. Das für die Wahlen ein geführte proportionale System gewährte den Juden die Möglichkeit, 15 Vertreter ihrer Interessen in die Stadtverwaltung zu bringen.