Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 242 (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3111067-3111104-3116912--5425-3117183- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
; — 242 •' . ' Hause, in dem man ihr Kind so schlecht behütet; fluchten sich selbst, daß sie verblendet es hergegeben hatten. Und darum trennten sie sich auch von mir; von ihrem Letzten — fort sollte ich, über's Meer/; Rahel suchen. Sie selbst sind dann irgendwo am Wege gestorben, glücklos wie sie gelebt, eingescharrt von fremder Hand. Schon die erste selbsterworbene Summe, die ich ihnen von drüben schicken konnte, traf sie nicht mehr am Leben. Das Umherirren war ich ja gewohnt. Ich irrte überall umher, in England, in Amerika: ich suchte Rahel — und ich fand: Reichtum. Es war, als hätte das unselige Elternpaar alles Unheil mit sich in die Grube genommen. Von da ab gelang mir alles — was ich anrührte, wurde zu Gold — nur Eins nicht: nirgends in der Welt fand ich eine Spur von ihr. Ob ich darum allein ein einsamer Mann geblieben? — ich weiß es selbst nicht. Geliebt habe ich nur einmal drüben ein Mädchen, weil sie Rahel ähnlich; weil der gleiche Goldschimmer aus ihrem braunen Haar lag. Sie war reicher Leute Kind, ich noch ein armer Junge damals, der nichts galt vor der Welt. Sie hat mich spöttisch heimgeschickt. Nun — ich bin nicht zu Grunde gegangen daran — aber ich fand später keine Zeit mehr für mein Herz. Und eines Tages war es zu spät. Die dann von allen Seiten mit holden und minder holden Blicken nach' mir ausschauten, die blendete nrein Geld, meine Stellung — dagegen empörte sich der Mann in mir. ' Und ich suchte ja immer noch, überall — die Verschollene. So kam ich hierher. Wenn irgendwo in der .Welt, so war hier noch ein Schimmer von.Hoffnung. Diese,- Ihre, unsere Stadt/— sie haben alle längst erraten, daß es dieselbe ist, von der ich Ihnen erzählt, — die, einzige, von der mir ein Heimatgefühl in der Brust geblieben.