Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Kommerzienrat Arnold
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 239 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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239 tretener Hund — da entschied Rahel selbst. Artig faltete sie ihre jetzt stets sauberen Händchen und bat in dem reineren Deutsch, zu dem man sie in der Schule und in jenem reichen Hause herangebildet: „Ach bitte, liebe Eltern, laßt mich doch gehen! So wunderschön ist dort Alles, und ich will auch recht oft an euch schreiben." Diese zierliche Rede — ihr vielleicht einstudiert — Paßte gar wenig zu unserer verdorbenen, mit polnischen und hebräischen Wendungen untermischten Sprache, und ging uns allen wie trennende Eisenspitzen ins Ohr. Nein, dies Kind gehörte doch nicht mehr zu uns. So mochte denn ihr Glück mit dem unseren erkauft werden. Das Heim war verloren — so und so.- Vorwärts also — weiter. Zum ersten Male merkte ich, daß die Landstraße staubig, und daß müde Füße schwer werden vom Wandern. Zuweilen schauten Mir uns um, als müsse sie hinter uns hergelaufen kommen — unsere Rahel! Wir hatten ja selber nie gewußt, wie schön sie war und wie sonnig. Wie oft ihr Kinderblick uns die verdorrtesten Herzen willfährig gemacht, merkten wir nun erst, da ohne sie es uns nirgends gelingen wollte. Aber wir hatten ja nun Geld — den Kaufpreis für sie. Sei's, daß der alte Wandertrieb im Besitz der Zehrpfennige mutiger geworden, sei's, daß der Vater nur recht viele Meilen zwischen sich und sein Kind legen wollte, um sich selbst jede Möglichkeit zu nehmen, dessen Zukunft zu zerstören: Deutschland war nicht mehr groß genug für uns und bald auch nicht Europa. Heute ging ich in. Paris in die Schule der Alliance Israelite, morgen schon in die der Hebräer Palästinas. Allerdings, die Seereisen dorthin währten viele Wochen zu jener Zeit. Mir aber war alles wie ein Traum, und als läge nur eine einzige Nacht dazwischen. Der alte Zionstraum, der immer in ihm geschlummert, war machtvoll erwacht in dem nun grauft