Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 206 (sequence 18)
- Language
- German
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206 erließ nachher aus Wien eine Fülle von Dekreten, Ordres, Befehlen usw., die dem Uebel abhelsen sollten. Alles war vergebens! Josephs Nachfolger, Kaiser Leopold, und dessen Nachfolger Kaiser Franz drückten mehrmals ihre ״allerhöchste Unzufriedenheit" über den Stand dieser Schulen aus, man ließ diese kaiserliche Unzufriedenheit in den Synagogen publizieren,') man bestrafte die Meister, welche Lehrlinge ohne Schulzeugnis ausnahmen, wie auch die Melamdim, die ihre Zöglinge nicht der Schule überwiesen, alles war ohne Erfolg, da die Juden kein Mittel ungenutzt ließen, welches ihre Kinder vom Schulbesuch befreien konnte. Je mehr der Staat und die Lehrer nach Mitteln sannen, die jüdische Jugend in die Schule hereinzubekommen, desto mehr widersetzten sich die Eltern. Es lag in dem Kampfe etwas Urwüchsiges, es war ein Kampf auf Leben und Tod, der Kampf des historischen Judentums des alten polnischen Reiches gegen die neuen westlichen Strömungen, die von der Höhe des Thrones mit aller Gewalt verbreitet wurden. * » 4- Wie verhielt sich Homberg zu diesem Kampfe? Er war verzweifelt, und diese Verzweiflung brachte ihn in eine solche Wut gegen das gesamte galizische Judentum, daß er die ganze Eigenart dieses Judentums mit Stumpf und Stiel ausrotten wollte. In seinem Memorial an das Ministerium (aus dem Jahre 1794) bringt er folgende gallige Bemerkungen über das Judentum zum Ausdruck: ״Sie haben infolge der zweitausendjährigen Bedrückung grenzenlose Vorliebe für ihren Glauben, der sich bis zum Religionsegoismus steigerte. Sie halten *) Im Jahre 1793 untersuchte eine spezielle Kommission unter Leitung des Rats von Plefsing die Mängel der Schule und fertigte am 27. XU. 1793 ein Memoriale in 29 Paragraphen an, dessen Inhalt ich in meiner poln. Abhandlung über Homberg lS. 37), Lbg. 1906, reproduziert habe.