Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 202 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3111067-3111104-3116911--5384-3117143- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
dieser Zwistigkeiten im Konseß statt, und da warfen beide Herren einander verschiedene Inkorrektheiten vor. Homberg beschuldigte Friedenthal der Nachlässigkeit im Amte und Protektionswirtschaft; Friedenthal habe dem Frl. Finkler ohne Prüfung eine Stelle in Lemberg derliehen und seinen Neffen Kupferberg als zweiten Lehrer ausgenommen. Friedenthal erklärte, Homberg hätte die Finkler ausgenützt, indem sie als seine Hauslehrerin ein ganzes Jahr umsonst arbeitete und seiner Frau in der Wirtschaft behilflich war?) Nicht nur Friedenthal war mit dem Inspektor unzufrieden, auch andere Lehrer führten stets Klage über sein Verhalten. Diesen Klagen dürfen wir nicht immer Glauben schenken, aber etwas Wahres wird schon an ihnen sein. Aus den Klagen ersehen wir, daß Homberg seinen Bruder Simon aus Krzeszow (bei Zamosc) nach Lemberg zog und dem Lehrer Neugröschel dessen Stelle übertrug. Damit aber auch seine Schwägerin ein Einkommen habe, gründete ־ Homberg noch eine Mädchenschule in Leinberg, wo er sie zur Lehrerin ernannte?) Lehrer Turnar?) klagte den Inspektor an, er stecke das Geld für das Kanzleipersonal ein und lasse durch die jüngeren Lehrer die Kanzleiarbeiten besorgen, er verleihe für Geld bessere Lehrerstellen, er vernachlässige den Dienst und sitze Monate lang in Wien. Das Lehrerpersonal war aber auch nicht so makellos, wie es seinen Inspektor sehen wollte. Stete Klagen und Denunziationen füllen Aktenschränke im Archiv d erLemberger Judengemeinde, des Studienkonsesses (Universitätsarchiv) und des Kreisamtes (Statthaltereiarchiv in Lemberg) aus. Kaum erhielt ein Lehrer eine Remuneration oder eine Dienstwohnung, so beschwerten sich zehn andere, sie Gemeinde (Fase. aus den Jahren 1760—1806) und dem Archiv der Universität in Lemberg (unter Leitung des Hofrates Prof. Dr. Finket). J) Universitätsarchiv. Fase, aus dem Jahre 1798 Nr. 368. Die Untersuchung führte Schuldirektor Wohlseil. 2) Vergleiche die Schematismen aus den Jahren 1788—1793. 3) Wolf: Kleine Schriften S. 138. Dort irrtümlich Purman statt Turnau.