Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 200 (sequence 12)
- Language
- German
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200 Homberg zog von Wien nach Görz*) und bald nachher nach Triest, wo jüdische Gemeindeschulen gegründet wurden. In Triest wirkte er an der Schule mit vielem Fleiß und erhielt dafür auch eine Prämie von 30 Dukaten; hier verlobte er sich auch mit einem Fräulein aus Fürth, und bald überstedelte er als verheirateter Mann wieder nach Wien, um als erster Jude in Oesterreich das philosophische Lehrerexamen an der׳ Universität zu machen. Sofort erhielt er das Lektorat für Philosophie an der Prager Universität, wo er ein halbes Jahr seine Vorträge hielt. Der Kaiser konnte sich aber nicht entschließen, einen Juden zum Professor zu ernennen, und so blieb Homberg wieder auf dem Trocknen. Er wollte sich schon nach einer Volksschullehrerstelle umsehen, als eben die Besetzung der Oberaufsicht der jüdischen Schulen in Galizien in Frage kam. Schon vorher hatte Mendelssohn seinen einstigen Hauslehrer nach Wien außerordentlich warm empfohlen, jetzt war der Kaiser sehr zufrieden, daß er für Homberg eine entsprechende Stellung hatte, und ernannte ihn zum K. K. Oberaufseher der deutsch-jüdischen Schulen in Galizien?) Im Jahre 1787 kam Homberg nach Lemberg, und schon beim Mieten einer Wohnung hatte er die größten Schwierigkeiten, da ihm kein Jude eine Wohnung vermieten wollte und außerhalb des Ghetto kein Jude wohnen durfte. Homberg trug europäische Kleidung, eine Perrücke mit Zopf, er sprach ein reines Deutsch und hatte andere Manieren als die damaligen galizischen Juden. Die ersten Lehrer, die er aus Böhmen bezog, glichen ihrem Meister in Kleidung und Sprache, und diese ganze Gesellschaft war in dem galizischen Ghetto etwas völlig Fremdartiges, noch nicht Gesehenes. Kein Wunder, daß man diesen ״Datschen" die Jugend nicht anvertrauen *) Hier schrieb er in^Jahre 1783 seine: Verteidigung der jüdischen Nation gegen die in den Provinzialblättern enthaltenen Angriffe. 2) Die Vorarbeiten zur Schulgründung begannen schon im Jahre 1785, im Jahre 1787 wurden die ersten Schulen gegründet, und erst im Jahre 1789 erschien das Toleranzpatent, welches die Norillen der neuen Schulgesetzgebung in sich ausgenommen hat.