Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 11)
- Language
- German
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199 geblieben. Homberg war aber ein Pionier der Kultur von ganz niedriger Sorte, und damit hat er sich und dem Kulturwerk des großen Kaisers am meisten geschadet. Wie es scheint, war es der galizischen Judenschaft bestimmt, noch 50 Jahre in der Finsternis des Mittelalters zu wandeln Herz Homberg war im Jahre 1749 in Lieben bei Prag geboren. *) Bis zu seinem 18. Lebensjahre studierte er Talmud und andere jüdische Disziplinen, dann erlernte er das deutsche Alphabet und hielt sich kurze Zeit abwechselnd in Preßburg, Glogau, Breslau, Berlin und Hamburg auf. Aus dieser Wanderung studierte er die deutsche Literatur, die im Zeichen ihres Aufblühens stand, und nebenbei lag er, durch Rousseau's Emil angeeifert, dem Studium der Pädagogik ob. In den Jahren 1778—82 lebte er in Berlin im Hause Mendelssohns als Erzieher der Kinder des großen Philosophen, und hier arbeitete er am Biur zu manchen Kapiteln des V.BuchesMosis mit. Das Josephinische Toleranzpatent rief die Hoffnungen der sich um Mendelssohn scharenden jungen Leute wach, und bald schrieb Wessely seine berühmten: ״vibrs 8cha10m VEmeth“.^ Homberg zog nach Wien, um hier einen Lehrerposten anzutreten. Herzlich verabschiedete sich Mendelssohn von seinem Hauslehrer und schrieb ihm ins Starmnbuch unter seinen Schattenriß folgende Zeilen: ״Mein Freund, mein Sohn, ״meines Sohnes zweiter Vater! ״Zeigt sich in diesem Schattenrisse meine Dankbarkeit ״nicht ganz, so klage die Grenzen der Kunst, klage ״Hassens^) Unvermögen ״nur nicht Moses Mendelssohn". *) Die biographischen Daten für die vorgalizische Periode, siehe bei Kayserling: Moses Mendelssohn, S. 310—15. 2) Der Zeichner. Siehe Sularnith 1810, S. 261.