Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 198 (sequence 10)
- Language
- German
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198 — ier Aufsicht der Schuldirektion angelegt und die Kosten der Schulanstalten sollen aus dem Betrage bestritten werden, den jeder zur Schutzsteuer verpflichtete jüdische Hausvater ohne Unterschied des Vermögens und Ge- Werkes unter dem Namen des fünften Guldenbetrags, wie bisher, zu bezahlen verbunden ist." Das ist das Organisationsstatut der sogenannten K. K. deutsch-jüdischen Schulen, wie auch des Lehrerseminars. Am schwierigsten für den Staat lag die Lehrerfrage und noch schwieriger das Auffinden einer geeigneten Persönlichkeit zur Organisierung und Oberaufsicht der Schulen. Schon war man in Wien entschlossen, den Inspektor der christlichen Schulen (Hoffmann) mit der Oberaufsicht dieser Schulen zu betrauen, als Homberg in den Wurf kam und der Kaiser sehr zufrieden war, daß derselbe den Posten übernehmen wollte. Herz Homberg, ״der Schnauzenfresser", lebtnoch bis heute in der Phantasie des Lemberger Ghettojuden, und diese Phantasie kennt ihn als den größten Feind des traditionellen Judentums. ״Von Landsdragonern bewacht, saß er vor der Synagoge im Zentrum der Judenstadt und aß Schweinswürste, er wollte die jüdischen Kinder der Taufe zuführen und Mojsche Fressers Tora ihnen einimpfen. Schwer büßte Kaiser Joseph seinen Entschluß, diesen ״Homburg" nach Lemberg geschickt zu haben, denn R' Leib Sure's flog jeden Freitag von Brody nach Wien und strafte den Monarchen für die Assentierung jüdischer Jünglinge und für den Schulzwang/") — In Wirklichkeit hatten die Juden diese beiden Neuerungen (Militär und Schule) nicht ruhig hingenommen, und Homberg spürte an seinem eigenen Leibe, was es heißt, gegen den Strom zu schwimmen. Und wäre er ein klarer und reiner Charakter gewesen und hätte nicht über die Schnur gehauen, vielleicht wären die Schulen doch y Die Legende vom Zaddik R. Leib Sure's verwertete K. E- Franzos in seinen ״Juden von Barnow".