Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 8)
- Language
- German
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196 Rechnung. Das war der Wunde Punkt des großen kaiserlichen Kulturwerkes, und daran scheiterte auch das ganze Unternehmen. Auch das Lehrermaterial für diese Schulen war nicht leicht zu finden; die Lehrer mußten aus Deutsch« land und Böhmen bezogen werden und waren — als Träger der Mendelssohn'schen Reform — den galizischen Juden von vornherein verhaßt. Der Kampf der neuen Schulen mit den Chedarim war eigentlich ein Kampf des Westens gegen den Osten, der Haskala gegen dit Finsternis des Mittelalters. Die Träger der Haskala und die Mittel ihres Kampfes waren aber nicht immer die saubersten; kein Wunder, daß dadurch die Richtung selbst bei den Indifferenten diskreditiert wurde. Politische Begebenheiten wirkten ebenfalls stark mit, und diejosephinischen Schulen dauerten nicht länger als 19 Jahre; so lange (1787—1806) wirkte auch Herz Homberg in Galizien. Das josephi nische Toleranzpaten t?) Den Ausdruck des ganzen josephinischen Systems bildete das Toleranzpatent, welches für Galizien am 7. Mai 1789 erlassen wurde. In seinen 64 Paragraphen regelte das Patent die soziale, politische und administrative Stellung der Juden; die §§ 11—14 bezogen sich auf das neu einzurichtende und schon im Jahre 1787 zum Teil eingerichtete Schulwesen. Wir geben ihren Wortlaut wieder: § 11. ״Um die Jüdenschaft durch bessere Bildung des Verstandes und der Sitten fähiger zu machen, den heilsamen Absichten des Staates zuzusagen, wird für die jüdische Jugend, insoweit es tunlich ist, bei jeder Gemeinde eine deutsche Schule nach dem Muster der Normalschule angelegt werden. Die Lehrer dieser Schulen sind zugleich als Uebersetzer der Gemeinde in Eidespflicht zu nehmen." *) Edicta et Mandata für Galizien (Pilleriana) und die betreffenden Sonderdrucke in deutscher und polnischer Sprache; die Theresianische Judenordnuttg (1776) ist auch׳ mit hebräischen Lettern gedruckt worden.