Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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195 — Don der kleinen Neuerung,- daß in der untersten Stufe das deutsche Lesen und Schreiben eingeführt werden sollte. Die Juden hatten an ihrem alten Schulwesen nichts geändert, der Staat kümmerte sich nicht darum, ob in den Schulen deutsch unterrichtet wurde, und die Judendirektion bestand aus lauter Männern vom alten Zopf, denen jedes deutsche Wort als Sünde galt. Ueberdies war diese Direktion so stark durch die Steuerrepartition und Eintreibung der Gelder in Anspruch genommen, daß sie für etwaige Reformen keine Zeit übrig hatte. Für den Staat waren die Juden ein fiskalisches Objekt, und das Odium der fiskalischen Schraube lastete auf der Direktion; im Vergleiche mit den polnischen Steuern hatte Oesterreich die Juden viermal so hoch besteuert. Joseph II. hatte die Judenfrage anders als seine Mutter ergriffen, er wollte, seine Juden den übrigen ״kaiserlichen Untertanen am wenigsten schädlich" machen und alles aus dem Wege schaffen, was seiner Meinung nach diesem Zwecke schädlich war. Zuerst sollte die Judengemeinschaft aufgelöst, die Generaljudendirektion aufgehoben und die Gewalt der Kahals gebrochen werden. Die Juden sollten von nun an (1785) gleich anderen ״Untertanen" der kaiserlichen Gerichtsbarkeit und Kreisadministration unterstehen, den Kahals beließ man nur die Verwaltung der Synagogen und der wohltätigen Anstalten, das Schulwesen dagegen sollte ganz neu eingerichtet werden. Zuerst erlaubte man der jüdischen Jugend, die öffentlichen Schulen zu besuchen, und den jüdischen Gemeinden gestattete man, eigene konfessionelle Schulen zu gründen. Beides hatte aber in Galizien keinen Erfolg, da keine einzige Gemeinde an die Gründung einer Schule schritt und nur die wenigsten jüdischen Kinder in eine öffentliche Schule einzutreten wagten. Da beschloß Kaiser Joseph, von Staatswegen jüdische Schulen zu gründen, um dadurch die ganze jüdische Jugend der europäischen Kultur näher zu bringen. Der Kaiser meinte, er hätte das richtige Mittel gefunden, und trug der historischen Entwickelungslinie der polnischen Juden keine 13*