Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 192 (sequence 4)
- Language
- German
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192 in den 70er Jahren des XVIII. Jahrhunderts einen jüdischen Syndikus (Pinchas, Sohn Jehoschua's), der selbständig die polnischen Akte aufsetzU), in seiner Gemeinde bildet er aber lange eine Ausnahme, denn noch im Jahre 1816, als der Kahalsschreiber Baum entfernt wurde, war in Krakau kein Kultusvorstand, der ihn wenigstens für eine kurze Zeit vertreten konnte?) Diese Unkenntnis der Landessprache war bei den Juden im Westen des polnischen Staates die Folge einer falschen Erziehung, aber kein Beweis ihrer Unbildung. Sie studierten Talmud und hatten nicht das Bedürfnis nach anderen Disziplinen; der Staat mit allen seinen Institutionen kümmerte sich nicht um die Juden, und sie kümmerten sich nicht um ihn. Die Krakauer Akademie weist in ihrem ״Album studiosorum“ . üom'3saEjre 1400 bis zum Jahre 1820 keinen einzigen jüdischen Schüler auf, wogegen in Padua die Matricolazioni degli Artisti aus den Jahren 1633—1742 und Dottorati im Collegio Veneto* 2 3 4) einige fünfzig Namen polnischer Juden enthalten. Anders aber als im Westen lagen die Bildungsverhältnisse der Juden im Osten Polens. Hier in Ostreußen (Ostgalizien), Podolien, Wolhynien, Brazlawien und Kujawien wohnten die Juden in Dörfern und Marktstecken weit von einander entfernt, hier waren die großen Steppen, in denen der polnische Enzyklopädist des XVII. Jahrhunderts (Chmielowski)Z den Atlas und die fine8 orbis terrarum gesehen haben wollte; Tataren und Kosakenhorden machten diese Gegend unsicher, alles Gesindel aus dem Westen, das dem Strick oder dem Henkerschwert entkam, fand hier feine Unterkunft, und von der türkischen Grenze, aus Choczim und Georgiew (Dziurdziew), kamen verschiedene 9 Siehe zahlreiche Akten aus den Jahren 1760—1788 in dem Archiv der jüdischen Gemeinde in Krakau. 2) Stadtarchiv in Krakau. Magistratsakten Fase. 38 sub 1816. 3) Die Akten sind zum Teil von einigen polnischen Schriftstellern wie Windakiewicz, Warchal usw. ediert. Auch auf deutschen Universitäten studierten mehrere polnische Juden Medizin. 4) ÜSTowe Ateny sciencyej pelne. Lemberg 1745.