Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Herz Homberg in Galizien
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 191 (sequence 3)
- Language
- German
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191 Jugend diesem internen Leben streng angepaßt, der Talmud der einzige Gegenstand war, den Richter und Rabbiner, ja Senioren und Scabini (Schöffen) der Oommuniras oder Synagoga perfidorum Judaeorum kennen mußten und kennen wollten. Der Unkundige, der Am ha Arez hatte in der Gemeinde nichts ,zu suchen. Das Schulstatut von Krakau aus dem Jahre 1551 (das älteste, welches wir sür Polen besitzen) mit seiner Ergänzung aus dem Jahre 1638 kennt drei Schul« stufen, die aber im XVIII. Jahrhundert nicht streng abgegrenzt waren. In der untersten Stufe lehrte man das hebräische Lesen und die Anfänge der Bibel, in der Mittelstufe lehrte man Bibel mit Raschi und schritt an das Talmudstudium. Die höchste Stufe, die Jeschiba, war schon eine Hochschule, die nicht sür Jedermann zugänglich war; reiche oder fähige Knaben wurden zugelassen, um das Wort dem Munde eines mehr oder weniger berühmten Lehrers abzulauschen; die Kinder der Armen schlossen mit der zweiten Stufe ihre Bildung ab und gingen zu Handwerkern oder Kaufleuten in die Lehre. Die Schulbildung der jüdisch'en Jugend war demnach rein theologisch,' das jüdisch-deutsche Schreiben und die vier Rechenoperationen waren die einzigen profanen Wissenschaften, die man dem jüdischen Knaben beibrachte,׳ kein Wunder also, daß in Polen mit wenigen Ausnahmen kein Jude seinen Namen mit lateinischen Buchstaben schreiben konnte und sogar die Syndici (Schtadlanim) *) nur im Wort der polnischen Sprache mächtig waren. Die polnischen Gerichtsakten weisen nur hebräischeUnterschriften derJuden auf, undJakob,Sohn des Pinkas, der im Jahre 1736 zu Tode gemarterte Posener Schtadlan, ist der einzige, der in der ersten Hälfte des XVIII. Jahrhunderts in den Posener Schloßakten (vastrsnsia posnanisusia) seinen Namen polnisch zu unterzeichnen verstand?) In Krakau finden wir schon x) lieber den Schtadlan in Posen siehe den Aufsatz Lewin's in d er Festschrift zu Ehr en F eilch enfeld s, Plesch en- S chrimm 1907, S. 31—89. 2) Staatsarchiv in Posen. In80rLxt10n68 Posnanienses aus dem Jahre 1727. Protokollen I fol. 87 b.