Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Dr. Max Schönfeldt
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 173 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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- 173 — Schwierigkeiten gehemmten Erwerbes frei von der Ueberkonkurrenz in den überfüllten jüdischen Zentren gegeben, die Möglichkeit zu günstigem Vorwärtskommen in djesem weiten, noch so unaufgeschlossenen Reiche, das trotz alledem ein Land der unbegrenzten ökonomischen Möglichkeiten ist. ‘ * Bei der einschneidenden Bedeutung der Schulaufnahme kann man sich nun wohl vorstellen, welche Aufregung sich der Eltern wie auch der Kinder bemächtigt, wenn die Zeit dieser Prüfung heranrückt. Wie himmelweit entfernt von der beglückenden ruhigen Erwartung, mit der in Deutschland Vater und Mutter der Schulreife ihrer Kinder entgegensetzen. Zunächst muß die Vorbereitung der Kinder zum Examen schon in zartem Alter beginnen, denn wegen des Mangels an Plätzen müssen sie damit rechnen, mehrere Jahre vergeblich an die Türen der Schulen zu pochen. Und die Chance, wo irgend ein Platz frei werden könnte, muß unnachsichtlich wahrgenommen werden. So kommt es häufig vor, daß Eltern ihre 8—l 0-jährigen Kinder innerhalb weniger Tage an drei Schulen zugleich examinieren lassen. Eine jede Mutter muß den Schmerz nachfühlen um die Zerstörung von soviel kindlicher Nervenkrast, um die Verdüsterung, die dort jahraus, jahrein im Jahrhundert des Kindes über soviel unschuldige Gemüter gebracht wird. Als eine Art Selbsthilfe haben sich an vielen Orten jüdische Eltern zur Gründung von Handels- oder Kommerzschulen zusammengetan, die unter dem Ressort des Finanzministeriums stehend, laut ihren Satzungen früher 25%, mitunter auch 40% jüdischer Schüler zuließen. Freilich, ein relativ sehr kostbares Mittel, da ja die Gesamtunkosten unvergleichlich mehr christlichen als jüdischen Schülern zu gute kommen. Jetzt aber werden auch diese Opfer illusorisch gemacht, denn infolge eines unanfechtbaren Erlasses wird auch an diesen, mit jüdischen Mitteln begründeten Schulen die Anzahl der jüdischen Schüler allmählich auf 15% beschränkt.