Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Dr. Max Schönfeldt
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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172 sie der Ueberbürdüng durch die Schule am wirksamsten begegnen können. "Dort eine erste Morgendämmerung über winterlichen Gefilden und das Licht, das von den im Verhältnis zur Bevölkerungsziffer des Riesenreiches äußerst spärlich vorhandenen Schulen und Bildungsanstalten ausgeht, wird denen, die am sehnsüchtigsten danach lechzen, durch gesetzliche Verordnungen vorenthalten. Wahrlich, es erinnert an die Stelle der Pessachhaggada: Wir schrieen zu Gott „wegen der Mühsal in bezug auf die Erziehung unserer Kinder", wenn man sich die Hemmnisse vergegen- Ivärtigt, die gegen den Unterricht der jüdischen Jugend seit mehr als einem Menschenalter errichtet sind und immer weiter errichtet werden. Bekanntlich sind —. außer Polen — von den 87 Gouvernements und Gebieten des gesamten russischen Meiches nur die 15 an der Westgrenze gelegenen Gouvernements den Juden zum Wohnsitz angewiesen: der sogenannte Ansiedlungsrayon. Während nun die jüdische Bevölkerung in den größeren Städten dieses Ansiedlüngs- ^rayons 15 und 20 % und in gewissen Gebieten bis 40, ja sogar bis 75% der Bewohnerzahl ausmacht, ist der Prozentsatz der Zulassung jüdischer Kinder für Mittelschulen, Gymnasien, Realschulen usw. mit starrer Unver- -änderlichkeit auf 10, höchstens 15 °/0 festgesetzt, sowohl für öffentliche wie sogar für die meisten Privatschulen. Und doch ist der Zudrang der Juden zur Schule in Rußland ein ungeheurer! Denn er ist dort nicht nur der Ausdruck des uns durch die Vorschriften unseres heiligen Schrifttums seit Jahrtausenden tief emgepflanzten idealen Bildungsstrebens, sondern er ist auch das Resultat nur allzupraktischer Beweggründe. In der Tat ist die Hochschulbildung und als deren Vorbedingung die Absolvierung der Mittelschulen, des Gymnasiums usw. der beinahe' einzige Weg, um in den Besitz des Schlüssels zu gelangen, der dem jüdischen Kinde die Tore des Ansiedlungsrayons und den Weg in das gesamte Rußland öffnet. Damit ist ihm zugleich die Möglichkeit eines durch keine polizeiliche und gesetzliche