Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Dr. Max Schönfeldt
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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- Riga 2× ep/1000826
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171 einer vorbildlichen Irren- und'Nervenheilanstalt vor- Augen, ein Ziel, das er trotz enormer Schwierigkeiten,, getragen von dem Vertrauen seiner Freunde, in staunenswert kurzer Zeit verwirklichen konnte. Auch hier sei das Urteil der Berliner Fachautorität angeführt: „Mit einer jeden Widerstand besiegenden Energie setzte er es durch, in Riga eine Privatheilanstalt für Nerven- und Geisteskranke zu gründen und ihr einen Weltruf zu schaffen. Eine Heilanstalt im besten Sinne des Wortes, die ihm nicht Erwerbsquelle war, der er vielmehr sein Vermögen opferte, in der er für und mit feilten, Kranken lebte und sie an seinem Familienleben teilnehmen ließ. Wer die Verhältnisse auch nur oberflächlich kennt, kann ermessen, welche Zähigkeit, welches Selbstvertrauen, welcher Idealismus dazu gehört, als Jude in Rußland ein derartiges Werk zu begründen.-" Trotz der Schwere seines Berufes säumte Schönfeldt nicht, seine Kraft für das Wohl seiner jüdischen Heimatgenoffen einzusetzen. In Riga hatte zu jener Zeit ein Kreis junger akademisch gebildeter jüdischer Männer, dem sich Schönfeldt alsbald nach seiner Niederlassung als willkommenes Glied anschloß, sein Augenmerk darauf gerichtet, das geistige und wirtschaftliche Niveau der jüdischen Bevölkerung durch Vermehrung der Bildungs- Möglichkeiten zu heben. Um sich eine Vorstellung von den dort auf dem Gebiet des Unterrichtswesens herrschenden Verhältnissen machen zu können, muß man allerdings von unverwüstlich gutem Willen nach näherem Verständnis erfüllt sein — so groß ist der Abstand, der jene Zustände für den Westeuropäer, den Deutschen insbesondere, von den gewohnten Einrichtungen seiner Heimat trennt. Hier das Land des allgemeinen Schulzwanges, den selbstverständlichen Schulpflichtigkeit, wo die Sonne der Bildung so feurig strahlt, daß Eltern und Pädagogen aufs ernsthafteste darüber nachsinnen, wie sie die Jugend vor dem Uebermaße dieser Strahlen schützen, wie.