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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 170

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Dr. Max Schönfeldt
Date
1916-01-01
Page
Seite 170 (sequence 6)
Language
German
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170 viel mit baltisch-christlichen Kommilitonen, ja sogar als beinahe einziger Jude in dem Korps Curonia. Niemalsaber ging ihm darüber der innige Zusammenhang mit seinen jüdischen Studienbrüdern verloren. Bald war er die leitende Persönlichkeit innerhalb der damals, dank der günstigen innerpolitischen Lage'weit zahlreicheren jüdischen Studentenschaft. Sogleich nach seinem Abgänge von der Universität erhielt er eine Stelle als Assistenzarzt an der Rigaischen städtischen Irrenanstalt, der erste Fall dort zu Lande, daß die traditionelle Exklusivität zugunsten eines Juden durchbrochen wurde. Als man ihn jedoch nach 6-jähriger Wirksamkeit bei einer vorkommenden Vakanz überging, nahm er kurz entschlossen seinen Abschied und ging zur Vertiefung seiner Studien nach Berlin, wo er bei Eulenburg, Mendel, Jolly und Oppenheim arbeitete und zumal bei Mendel als Assistent tätig war. Auch hier imponierten seine Kenntnisse und Fähigkeiten, und man stellte ihm eineerfolgreiche wissenschaftliche Laufbahn in Aussicht. Allein das Deutschland der Bismarckschen Aera hatte keine Anziehungskraft für eines Schönfeldts idealistische Natur. „Der Mangel an politischer, auf das Allgemeine gerichteter Gesinnung, die Sattheit, die ich überall gewahrte, stießen mich ab", so äußerte er sich später einmal über die Verwerfung der ihm damals gebotenen Möglichkeit.- Einem inneren Drange folgend, kehrte er nach Rußland zurück, der Heimat seine Kraft zu widmen. Im Jahre 1894 ließ er sich in Riga als Nervenarzt nieder. Von seiner früheren Anstaltstätigkeit ging ihm ein vortrefflicher Ruf voran. In Kürze erfreute er sich überall des größten Vertrauensebenso in baltischen Patrizierkreisen, wie bei der hohen russischen Beamtenschaft. Gar bald hätte er sein Lebensschifflein in gemächliche Bahnen lenken können, wenn ihm nicht mehr als ein bequemes Leben auf der Basis eines anständig ausgefüllten Durchschnittsberufes vorgeschwebt hätte. Doch ihn trieb es, ein Werk zu schaffen, dem er den Stempel seines Geistes aufdrücken konnte. Von Beginn seiner ärztlichen Laufbahn stand ihm die Errichtung

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