Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Dr. Max Schönfeldt
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 167 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 167 — seine ärztlichen und menschlichen Pflichten in dem Maße jeden Selbsterhaltungstrieb aus den Augen verloren hätte, wie er." Seiner Bedeutung als Arzt entsprach seine soziale und politische Wirksamkeit, sein rückhaltloses öffentliches Eintreten für. die innerhalb seines Heimatsstaates sich redenden freiheitlichen Ideale; eine Vereinigung, wie wir sie" der achtundvierziger Generation als vorbildliche Tugend nachrühmen! Bon der Natur selbst erschien er zur Führerstellung bestimmt; ein Körper, der die größten Strapazen spielend ertrug, ein Geist so schnell im Erfassen, wie zäh im Festhalten, eine scharfe, kritisch wägende Urteilskraft, dazu eine gleichsam seherische Intuition und ein geborenes Organisationstalent! Eine ungestüm vorwärts drängende, unermüdliche Energie paarte sich in ihm mit einem instinktiven Eifer für Recht und Gerechtigkeit. Von reckenhaftem Kampfesmute beseelt und zugleich eine durch und durch ritterliche Natur, deren Loyalität auch dem erbittertsten Gegner Achtung abnötigte. Und alle diese Eigenschaften standen im Dienste einer Nächstenliebe, von der es schwer ist, dem Nichtaugenzeugen eine auch nur annähernde Vorstellung zu geben. War doch Schönfeldts ganzes Sein nur ein unablässiges freudiges Sichverschenken! Kein Weg zu weit, keine Stunde zu spät, wenn einer ihn um Hilfe anrief. Kleinmut und Verzagtheit schwanden vor dem Zauber seines Zuspruchs, denn wie aus einem Jungbrunnen schien von diesem Manne beständig ein Quell lebendiger Kraft auszuströmen auf alle, die mit ihm in Berührung kamen. Gleichwie auf die Jugend so vieler bedeutender Männer ist auch auf Schönfeldts Entwickelung die psychologisch feine Mahnung unserer Alten zutreffend: „Achtet auf die Kinder der Dürftigen, denn von ihnen geht die Lehre aus!" 1861 geboren, einer ursprünglich nicht unbemittelten Familie Mitaus, der Hauptstadt Kurlands, entstammend, verlor er in, früher Jugend den Vater. Mit zahlreichen