Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Sprache der Ostjuden
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 161 (sequence 27)
- Language
- German
- Belongs to
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161 War eine bedeutende Kräftigung des Slawentums, denn an die Stelle des deutschredenden Juden rückt säst stets ein Pole. Auch in anderen Staaten ist dieselbe Erscheinung zu beobachten. Die Bukowina ist teilweise ein deutsches Land, Czernowitz eine deutsche Stadt; aber die Verhältnisse würden sich sofort anders gestalten, wenn man von dem Anteil der Juden absehen würde. Ohne sie wäre Czernowitz in kürzester Zeit ruthenisch. Aehnliches gilt für Böhmen. Der deutsche Charakter von Prag ist im allergrößten Matze von den Juden abhängig, und die fortschreitende Czechisierung der Stadt ist zu einem nicht geringen Teile daraus zurückzuführen, daß die Juden es müde sind, in selbstlosester Weise Pioniere des Deutschtums zu spielen und dann noch von alldeutscher Seite beschimpst und mißhandelt zu werden. Auch in Ungarn ist das deutsche Element (mit Ausnahme von Siebenbürgen und dem Zipser Komitat) durchaus jüdisch, und kein vernünftiger Freund des Deutschtums wird es bestreiten, von welcher Wichtigkeit es sein muß, solche Stützpunkte des Deutschtums im Auslande zu haben, wenn aus keinem anderen Grunde so im Hinblick auf die Stelle des Deutschtums im Welthandel. Denn im Handel kommt es ja weniger auf philologische Feinheiten an. Hier ist wesentliches Erfordernis, daß man versteht und verstanden wird, und der jiddisch sprechende Jude wird unzweifelhaft sich mit jedem deutschredenden glatt und leicht verständigen können. Selbstverständlich ist es für Deutschland ein unendlicher Vorteil, wenn ein wichtiger Handelsweg nach dem Orient, nämlich der über Galizien und Rumänien, fast bis zu seinem Ende von deutschredenden Elementen besetzt ist, wenn in Nordamerika, ja bis nach Südafrika hinunter überall die deutsche Sprache verstanden wird. Hinter der deutschen Sprache bahnt sich das deutsche Jndustrieerzeugnis seinen Weg, und jene Juden, welche einstmals mit Gewalt aus ihrem deutschen Vaterlande vertrieben wurden, auf welche man in Deutschland noch heute verächtlich herabsieht, die man kollektiv als „Schnorrer und Verschwörer" bezeichnet 11