Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Sprache der Ostjuden
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 160 (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
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160 jeneiz> anderen Auswandererscharen, welche freiwillig ihr deutsches Vaterland verlassen haben, auch nur ein Teil dieser jüdischen Treue und Zähigkeit vorhanden gewesen wäre, so würde heute ein nicht unbeträchtlicher Teil der Welt deutsches Sprachgebiet sein. Um ein Bild von der Wichtigkeit dieser deutschsprachigen Juden zu bekommen, muß man freilich wissen, was sie an Zahl bedeuten. Es gibt jetzt in der Well mehr als zwölf Millionen Juden. Der Bruchteil, der dem spaniolischen Zweige angehört, ist sehr klein, ebenso gering, wenn auchin stetem Wachsen, ist die Zahl derer, die in den Ländern des Westens ünd im fernen Orient nur die Landessprache kennen. Mit Einschluß der hochdeutsch redenden Juden unseres Vaterlandes und Oesterreichs gibt es mehr als elf Millionen, welche einen deutschen Dialekt sprechen und Hochdeutsch zum mindesten verstehen. Des Jiddischen bedienen sich in Rußland mehr als sechs Millionen, in Galizien und Rumänien eine Million, in England und Nordamerika fast zwei Millionen. Diese deutschredenden Juden des Ostens sind nun für das Deutschtum politisch von größter Bedeutung und zwar ebenso in inneren Fragen, wie in denen der j Auslandspolitik. Es ist zunächst klar, daß der breite,; von Juden besetzte Streifen, der sich im Osten zwischen i Deutschland und dem Slawentum eingeschoben hatte, wie! ein Schutzwall wirken mußte. Bei den Ausbreitungsbe- > strebungen des Slawentums, die von Jahr zu Jahr kräftiger wirken, hätte das Deutschtum im Osten einen noch schwereren Stand gehabt als heute, wenn eben nicht die Juden den Ansturm aufgehalten hätten. Es . war das eine Arbeit, die sie viele Jahrhunderte lang in stiller Treue vollbracht haben, und welches die Folgen gewesen wären, wenn dieser Schutz nicht bestanden hätte, zeigt auf's deutlichste die bisherige Politik der preußischen Regierung und ihre Erfolge. Durch wirtschaftliche Maßnahmen, durch kränkende Zurücksetzungen, durch die Politik der Nadelstiche, hat sie die deutsche Judenheit Posens und Westpreußens in großen Mengen zur Auswanderung gezwungen, und die Folge davon