Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Briefe Alexander von Humboldts an Dr. Robert Remak 1839 bis 1855
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 119 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/3111067-3111104-3116908--5298-3117060- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
119 Sie haben in Ihren russischen Verhältnissen die Erfahrung gemacht, daß ich keine Mühe gescheut, um Ihnen nützlich zu werden, wo ich Ansätze zur Möglichkeit fand. Ihren jetzigen Entschluß, sich an den König zu wenden, ^kann ich nicht billigen. Ich fürchte, daß der Schritt ohne Erfolg bleibt. Meine persönliche Lage ist ganz dieselbe, wie unter der vorigen Regierung. Anträge gehen nicht von mir aus, alles geht nach den bisherigen Formen: durch das Kabinett und das Kultusministerium ohne alle Notiz von meiner Seite. Sie können denken, wie sehr es mich schmerzt, bei der Achtung, welche ich für Ihre wissenschaftlichen Bestrebungen habe, Ihnen' diese freimütige Antwort geben zu müssen. Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung Euer Wohlgeboren gehorsamster Berlin, 13. August 1840. A. von Humboldt. Ein Paar Jahre später hatte Humboldt seinen Standpunkt geändert. Der Grund lag wohl einerseits in seiner edlen Menschlichkeit, die sich darüber empörte, daß ein von ihm hochgeachteter Forscher zurückgesetzt blieb, andrerseits darin, daß sein Verhältnis zu Remak immer wärmer wurde, so daß er, statt der bisherigen steifen Anreden nun häufig die Wendungen „Lieber Remak", ja selbst „Freund" brauchte, teils endlich darin, daß er Grund hatte anzunehmen, daß der König von seiner ursprünglichen starren Auffassungsweise zu einer milderen Theorie und auch gelegentlich zu einer menschlicheren Praxis sich bekehrt hatte. lieber die in dem folgenden Briefe genannten Persönlichkeiten ist folgendes zu sagen: Adalbert von Ladenberg, 1798—1855, war seit 1839 Direktor im Kultusministerium und behielt diese Stellung auch unter den folgenden Ministern bei, nachdem er die Ernennung zum Minister mehrfach abgelehnt hatte. Vom 8. November 1848 bis 29. Dezember 1860 war er wirklich Kultusminister. In der Zeit, da unser Brief geschrieben wurde, war er unter den rasch aufeinander folgenden Kultusministern der eigentlich bestimmende .Au