Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 22)
- Language
- German
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108 Es sei nun kurz darauf hingewiesen, wie die Pflicht Der Gottesehruug begründet wird, in welcher Weise sich 4>er Mensch Gott ehrend nahen dürfe, und daß der Mensch dies als einen ihm verliehenen Vorzug betrachten müsse. Es wird sich dabei deutlich zeigen, worin die Gottesehre Lesteht und welche Strafe bei Nichterfüllung des Ehrgebots eintritt. Die Pflicht, Gott zu ehren wird einerseits aus seiner Größe und Machtentfaltung, andrerseits aus seiner Liebe zu den Menschen abgeleitet. In Bewunderung seiner Macht und Größe beuge man sich vor ihm in Ehrfurcht, in Anerkennung seiner unendlichen Liebe, ehre man ihn aus Dankbarkeit. Sieh' die Größe Gottes, meint die Mischna; alle Menschen stammen von einem Vater ab, alle tragen die Gesichtszüge, den Stempel Adams und dennoch gleicht keiner dem andern. Dies fordert dich zur Verehrung ׳Gottes auf (Mischna Sanhedrin 37 a). Die Großtaten Gottes findest du auch in der Tier- und Pflanzenwelt. Gott schuf Alles ״nach seiner Art". Der Ceder des Libanon wie dem Mop ist ihre Stelle -angewiesen, ihre Sonderart gesichert. Die Ehre Gottes, meint Rabbi Chanina, bekundet sich für den, der sehen will, in den Gräsern; Sie sprechen: ״Auch wir wollen Misere Eigenart behalten, kenntlich sein nach Art und Gattung, wenn es den Bäumen möglich ist, warum nicht -auch uns?" (Chullin 60a). Der Mensch muß es als Vorzug ansehen, daß er würdig befunden werde, Gott nahen zu dürfen. Eine Bevorzugung läge schon darin, wenn ihm gewährt wäre, einmal im Monat zum Vater im Himmel verehrend aufzublicken (Sanhedrin 82a). Die wahre Gottesverehrung beruht auf lauterem Empfinden, voller bewußter An- Erkennung des göttlichen Wirkens in der Welt. Das ist nur dem möglich, der sich der Erforschung des göttlichen Wesens hingibt. Ein Rab. Akiba ist würdig der Ehre Gottes zu dienen. (Chag. 15 b.) Alles Geschaffene dient unbewußt der Ehre Gottes, des Menschen Pflicht ist es, sich über den Naturzustand .zu erheben. Nicht wie die Pflanze und das Tier, durch