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Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur · 1916-01-01 · 19 (1916) · p. Seite 107

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Journal
Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
Volume
19 (1916)
Article
Die Ehre im Talmud
Date
1916-01-01
Page
Seite 107 (sequence 21)
Language
German
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107 gewendet auch ganz richtig. Mit der Gott erwiesenen! Ehre ist immer heilige Scheu verbunden, es ist Ehrfurcht,, die gemeint ist. Sodann, daß im Talmud nicht selten mit der ״Gottesehre" l) die Ehre der Thora, des Gelehrten, des Weisen,, des Zibbur, der Gesamtheit verbunden wird. Die Talmudlehrer sind auch hier weit davon entfernt eine Materialisierung des Gottesbegriffes eintreten zu lassen. Wenn z. B. die Ehre Gottes mit der Ehre der Thora in Zusammenhang gebracht wird, so bedeutet das: die Thora sollst du ehren, sie lehrt dich, Gott als den weisen, machtigen usw. Weltschöpfer anbeten, verachtest du sie, verwirfst du ihre Lehren, so leugnest du Gott. Eine Stufe tiefer liegt die Ursache der Ehre für den Weisen und Gelehrten, als den Vertreter und Verkünder der Thora. Der Kettenschluß lautet: Gelehrter — Thora — Gott. 2) Ein ähnlicher Gedankengang dürfte in dem Ausspruche zu finden sein, der die Ehre Gottes mit der des Zibbur in Verbindung bringt. In der Gesamtheit ist das Walten Gottes in hervorragender Weise vertreten gedacht; in ihrer Größe offenbart sich Gottes Macht und Herrlichkeit. Ist sie eine zu heiligen Zwecken gebildete Gemeinschaft, verfolgt sie religiöse Zwecke, setzt sie sich die Aufrechterhaltung der sittlichen Weltordnung zum Ziele, so Hab man Gott geehrt, indem man sie ehrt. In der Gesamtheit wird von dem Einzelnen abstrahiert, man ehrt den in ihr vertretenen Gedanken. Es sei 3) bemerkt, daß auch hier, wie in. der H- Schr. Kabod einfach für Gott gesetzt ist. Wenn erzählt' wird, daß ״als Israel nach dem Norden (Babylon) verbannt wurde, die Kabod mit ihm (freiwillig) in Verbannung ging", so ist zweifellos unter Kabod Gott zu: verstehen und bedeutet, daß Gott Israel auch in Babylon nicht verließ. (Schir haschirim sutta u. a. a. O.) כבוד השם, ב׳ שמים, כ׳ הממם (י 2) Nach der Ansicht, daß der Gelehrte als Träger des Gottes- Wortes höher steht (Makkot 22b), als die Thora selbst, wäre dieaufsteigende Schlußfolgerung: Thora, Gelehrter, Gott. 3) Kabod wechselt zuweilen ab mit Schechina.

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