Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 106 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 106 in der Bibel oft mit ״Ehre Gottes" verzeichnet finden'), werden von den Talmudlehrern als selbstverständlich vorausgesetzt. Es erübrigt sich daher nur jene Begriffe hervorzuheben, mit welchen die Talmudlehrer insofern über die׳ Bibel hinausgingen, als sie das Bestreben hatten, die Anschauungen der Bibel dem Volksverständnis nahe zu bringen. Jedes Streben, einen Begriff zu popularisieren, muß ihn notwendig von seiner Höhe herab in die Niederungen des Volksbewußtseins führen. Obgleich der Begriff selbst dadurch nur wenig berührt wird, verliert er doch seine Geschlossenheit im Ausdrucke, die Form ändert sich und nur der Verständige findet in der veränderten Form den alten Kern wieder. Die Talmudlehrer haben in bezug auf die Gottesehre nicht ganz neue Ausdrücke geprägt, sondern die alten, in der Bibel vorhandenen, entweder einfach herübergenommen, ihnen nur eine weitere Verbreitung und An- Wendung gegeben, wie es z. B. mit dem Ehrenthron, der Heiligung und Entweihung des Gottesnamens קדוש וחיבול השם der Fall ist, oder sie haben ein in der Bibel Vorgefundenes Wort umgeprägt und es mit einem naheliegenden, zuweilen höheren Begriff verbunden. Das ist der Fall mit dem Worte schachen, dessen Substantiv mischkan die Gotteswohnung bezeichnet, aus dem sie aber Schechina, die Gottesherrlichkeit bildeten. Das Wort hat damit eine Vergeistigung erfahren, der Begriff des Göttlichen hat aber nicht Schaden gelitten, weil unter Schechina eine oder mehrere Gott zugeschriebene Eigenschäften verstanden werden. Bevor wir auf Einzelnes übergehen, sei aus folgende drei Momente hingewiesen. Zunächst, daß in einigen Sätzen eine genaue Grenzscheide zwischen ״Ehre und Furcht" מורא וכבוד nicht gezogen wird, so daß beide Begriffe in einander überzugehen scheinen?) Psychologisch ist das auf Gott an- *) S. meine ״Ehre in der Bibel" S. 19—30. 2) Selbst bei Menschen ist das der Fall. ״Die Ehre vor dem Genossen sei gleich der Furcht vor dem Lehrer". Sprüche dev Väter 4, 12.