Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Journal
- Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur
- Volume
- 19 (1916)
- Article
- Die Ehre im Talmud
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 105 (sequence 19)
- Language
- German
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-; 105 tratt einwirken, und so Leben und Wesen der Menschen nicht nur beeinflussen, sondern es auch voll bestimmen. In diesem Wirken der Thora liegt ihr Recht, Ehre zu beanspruchen; zugleich der Lohn, den sie dem sie Ehrenden bietet. Mit dem Aufstellen des Satzes, von der Thora nicht zu lassen alle Tage des Lebens, sie um ihrer selbst willen zu Pflegen, haben die Talmudlehrer die Macht des Geistes anerkannt und in denen, für die sie in erster Reihe geschrieben wurde,-einen Wissensdurst erzeugt, der sich bis zum heutigen Tage erhalten hat. Wenn wir heute dem Israeliten auf allen Gebieten des Wissens begegnen, bei ihm ein rastloses Grübeln, Forschen, Streben beobachten, so ist das ein Erbgut der Väter, dessen sich niemand, am wenigsten die Befähigten entschlagen können. Diesen Wissensdurst zu einem Erbgute gemacht zu haben, ist das Werk der Thora einschließlich des Talmud: Jene unserer Geistesheroen, die den Talmud kaum dem Namen nach kennen, oder sich entsetzen, wenn sie ihn nennen hören, wissen Wohl, daß sie ihre Sprache, Schulung, Mldung, Wissen der Neuzeit, ihrer Umgebung und dem eigenen Streben verdanken, sie wissen aber nicht, daß sie den Trieb zu diesem Streben, ihre Geistesanlage und Aufnahmefähigkeit dem Talmud danken. Diese ״Ehre der Thora" ward Israel und der Menschheit darum zum Segen, weil sie den Israeliten, in dem Glauben, daß er ein religiöses Gesetz erfülle, zur Geistesarbeit aneiferte, die Geistesarbeit aber sich nicht aus den Kreis derer beschränkt, die sie geleistet haben, sondern aus deren Kreise tritt und zum Gemeingut Aller wird. II. Die Ehre Gottes. Die ״Ehre Gottes" vereinigt in sich die höchsten Begriffe, die wir mit dem Ausdruck Ehre verbinden. Die Begriffe von Macht, Größe, Erhabenheit, Ewigkeit usw., die wir